Heft 
(1900) 9
Seite
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Neue Nachträge zur Dorfchronik von Nieder-Görsdorf.

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holz zu liegen. Im Erb- und Landbuch des Klosters Zinna pag. 7 sind für die Ifarre 2 Hufen verzeichnet. Wie mag das zugehen?!

Die hiesigen Pfarrer scheinen sehr gutmütig gewesen zu sein, so dass ihnen hier und da eine Intrada genommen worden ist. Wie schon erwähnt worden ist, waren 4 Hufen von Heinrichsdorf verloren gegangen, von denen 2 wieder erobert worden sind. Nach alter Matrikel erhielt der Pfarrer bei Hochzeiten zur Brautsuppe 6 U. Fleisch, ein Brot zu 6 U. eine Tillkanne Bier und ein Tuch, ein Ehrenopfer wurde von den Gästen im Umgang um den Altar dargebracht, für einen Gang über das 3. Gehöft hinaus gab es eine Entschädigung. Das alles ist ausser Übung ge­kommen. Ums Jahr 1730 scheint eine neue Schmälerung des Pfarr- und Kirchenackers im Gange gewesen zu sein, wogegen sich der Pfarrer Tiemann gestemmt hat. Es heisst darüber:

Als 1730 auf der Ileinrichsdorfer Mark Haide gemacht und gesät wurde, sind wider des damaligen Landesherrn Willen sowohl der Kirche als dem Pfarrer weggenommen worden.

Das erste Stück, wo bei dem Niedergörsdorfschen Kloth auf der Ileinrichsdorfschen Mark Fichten gesät worden, hat Hans Andreson gehört und hat 8 Würfe 32 Schritt breit.

Das andere Stück ist das Kirchenstück von Niedergörsdorf und hat auch 8 Würfe, in der Mitte aber wird es breiter, dass es 11 Würfe hat.

Das erste Niedergörsdorfsche Stück der Pfarre hat 3 Würfe in der Breite. Darauf folgt das Kaltehbornsche Pfarrstück ebensobreit.

Das andere Niedergörsdorfsche Pfarrstück hat 4 Wurf 16 Schritt breit. (Ist nach dem hohlen Wege das 6. Stück.) Hierauf folgt ein gleiches Kaltenbornsches.

Das 3. Niedergörsdorfsche Pfarrstück hat 3 Würfe 12 Schritt breit. Darauf folgt ein gleiches Kaltenbornsches Pfarrstück.

Solches hat Christian Schulze, ein Hüfner in Niedergörsdorf, der diese Pfarräcker lange Jahre in Pacht gehabt, dem Pfarrer jetziger Zeit zu Niedergörsdorf und Wölmsdorf auf desselben Erfordern angewiesen.

Niedergörsdorf, 16. Juni 1747.

Hierher gehört auch, dass dem Pfarracker in Wölmsdorf durch Abpilügen 2 Morgen Landes verloren gegangen sind. Dies alles, was den früheren Pastoren wohl manchen Verdruss gemacht haben wird, ist dadurch gesühnt, dass nach dem neuen Pfarrdotationsgesetz der Gemeinde der Pfarracker zur Bewirtschaftung übergeben worden ist und die Pfarre ein festes Gehalt bezieht.

Die Reformation hat im Besitzstände wenig geändert. Da der letzte hiesige katholische Pleban Gröbitz erwürgt worden war, brauchte er nicht ernährt zu werden und sein Einkommen fiel ungeschmälert dem ersten evangelischen Geistlichen zu; die Amtsabgaben gingen noch immer an das erzbischöfliche Amt.