Heft 
(1900) 9
Seite
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Neue Nachträge zur Dorfchronik von Nieder-Görsdorf.

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Heerde und gab sogar einen Schuss auf den Hirten ab. (Die Branden­burger haben nie Spass verstanden!)

Im Jahre 1712 wurde eine letzte Einigung versucht, sie kam aber nicht zustande, weil man siichsischerseits die Birkhaide als Zubehör von Heinrichsdorf; pmissischerseits Heinrichsdorf als ein Anhängsel der Birkhaide gelten lassen wollte. Die Jüterboger wollten ihr Recht auch nicht fallen lassen und um es zu wahren, trieben sie von Zeit zu Zeit ihre Kühe zur Berghaide. Weil aber wenig Futter dort vorhanden war, die Tiere auch von dem weiten Wege ermüdeten, so liessen sie endlich nach. Die Treuenbrietzener dagegen richteten sich wohnlich ein, bauten einen Brunnen und eine Försterwohnung, wozu später noch, als die so­genannte Wüstenchaussee gebaut wurde, ein Gasthaus hinzukam; denn in der Wüste giebt es leicht Durst. Endlich ist in dieser Kolonie Tiefen­brunn auch ein respektabler Bahnhof an der Wüsteneisenbahn gebaut worden. Die Brietzener haben das Feld behauptet, obwohl sie wohl das wenigste Recht hatten. Sie haben Kiefern angesät und gewinnen Grubenhölzer.

Sächsische Zeit.

Schon nach dem Frieden von Prag 1635 liess sich Chursachsen die Ämter Querflirt, Jüterbog, Dahme, Burg zugestehen, das übrige nördliche Land Jüterbog mit Kloster Zinna ging zu Brandenburg über. Die Besitz­ergreifung geschah erst nach dem westfälischen Frieden, ja bis zum Tode des letzten Administrators Augustus 1680 blieb das Erzbistum noch vereinigt. Die sächsische Zeit hat der hiesigen Gegend keinen besonderen Segen gebracht. Die prachtliebenden, verschwenderischen Fürsten brauchten viel Geld und verkauften darum viel Eigentum, die Frohnden wurden auch nicht leichter. Im Walde Cappan, in einer schönen Schlucht, hatte das Nonnenkloster eine Schäferei angelegt. Diese wurde 1715 an einen Herrn v. Lüttichau für 8000 Thaler veräussert. Im Jahre 1717 kaufte derselbe auch den Gesindezwang, das Braugerät und den Fleischzehnt für 560 Thaler und gründete so das schöne Gut Cappan mit Wald, Wein, Wiese, Wolle. Niedergörsdorf hatte Dienstzwang und Frohndienst hierher zu entrichten. Noch heute ist der Hofesteig vor­handen, auf welchem die Leute von hier und Dennewitz zu den Diensten nach Cappan eilten. Die Grossmutter des Höfners Hecht (Jochen) war noch die letzte, welche 2 mal im Dienstzwange auf Cappan. gewesen ist. Während die inagdeburgische Zeit 500 Jahr gedauert hat, umfasst die sächsische Zeit zum Glück nur 150 Jahre.

Preussisehe Zeit.

Durch den Wiener Frieden 1815 ging die Hälfte von Chursachsen an Brandenburg über, die Huldigung geschah am 3. August 1815 in