Heft 
(1900) 9
Seite
428
Einzelbild herunterladen

428

E. Zimmermann,»Pfarrer.

Merseburg.*) Die preussischen Könige batten an dem neuen Lande ein grosses Wohlgefallen und suchten den Wohlstand zu heften. Der Ober-

*) Das Patent hat folgenden Wortlaut:

An die Einwohner des preussischen Sachsen.

Durch das Patent, welches Ich heute vollzogen, habe Euch*Einwobner Sachsens, mit Meinen Unterthanen, Euren Nachbaren und deutschen Landsleuten vereinigt. Die gemeinsame Übereinkunft der zum Congress hierselbst versammelten Mächte hat Eure, dem Loos des Krieges unterworfene Länder Mir zur Entschädigung für den Verlust angewiesen, der den Mir garantirten Umfang Meiner Staaten auf einer Seite ver­mindert, wo er Mir nach einstimmigem Beschluss nicht ersetzt werden konnte.

Durch die Schicksale der Volker nunmehr von einem Fürstenhause getrennt, dem Ihr Jahrhunderte lang mit treuer Ergebenheit angehangen, geht Ihr jetzt zu einem anderen über, dem Ihr durch die befreundenden Bande der Nachbarschaft, der Sprache, der Sitten, der Beligion verwandt seid.

Wenn Ihr Euch mit Schmerz von frühem, Euch wertben Verhältnissen lossagt, so ehre Ich diesen Schmerz, als dem Ernste des deutschen Gemütbes ziemend, und als eine Bürgschaft, dass Ihr und Eure Kinder auch Mir und Meinem Hause mit ebensolcher Treue fernerhin angehören werdet. Ihr werdet die Nothwendigkeit Eurer Trennung erwägen. Meine alten Unterthanen haben grosse und theure Opfer gebracht; sie haben vor der Welt und der Nachwelt den Anspruch erstritten, dass die Gefahren von Gross-Beeren und von Bennewitz ihnen auf immer fern bleiben müssen. Sie haben das Zeugniss erworben, durch Tapferkeit und Treue für ihren König auch Deutschland von der Schmach der Knechtschaft errettet zu haben. Aber sollten sie die eigene Unabhängigkeit und die Freiheit Deutschlands behaupten, sollten die Früchte des schweren Kampfes und die blutigen Siege nicht verloren gehen, so gebot es eben so sehr die Pflicht der Selbsterhaltung, als die Sorge für das deutsche Gemeinwohl, Eure Länder mit Meinen Staaten und Euch mit Meinen Unterthanen zu vereinigen. Nur Deutschland hat gewonnen, was Preussen erworben.

Dieses werdet Ihr mit Emst erwägen, und so vertraue Ich Eurem deutschen und redlichen Sinn, dass Ihr mir den Eid Eurer Treue ebenso aus der Fülle des Herzens geloben werdet, als Ich zu Meinem Volke Euch aufnehme.

Euem Gewerben eröffnen sich durch die Vereinigung mit Meinen Staaten reichere Quellen. Die Wunden des Krieges werden heilen, wenn die gegenwärtige Gefahr und die Nothwendigkeit neuer Anstrengungen zur Bewahrung unserer Selbst­ständigkeit vorüber sein wird. Meine Vorsorge wird Eurem Fleiss wirksam entgegenkommen.

Eine wohlthätige, die Lasten des Staates gleich vertheilende Verfassung, eine zweckgemässe Verwaltung, sorgsam erwogene Gesetze, eine gerechte und pünktliche Justizpflege, die nicht länger durch die Last der Formen den Lauf des Rechts be­schränken und hemmen wird, diese Säulen der öffentlichen Wohlfahrt werden Euem innern Haushalt friedlich beschirmen.

Eure kriegslustige Jugend wird sich ihren Brüdern in Meinen andern Staaten zum Schutz des Vaterlandes treu anschliessen, die Diener der Kirche werden ferner­hin die ehrwürdigen Bewahrer des väterlichen Glaubens sein.

Euren Lehranstalten, den vieljährigen Pflegerinnen deutscher Kirnst und Wissen­schaft, werde Ich Meine besondere Aufmerksamkeit widmen und wenn der preussische Thron noch nach Jahrhunderten, auf den Tugenden des Friedens und des Krieges gegründet, die Freiheit des deutschen Vaterlandes bewacht, so werdet auch Ihr den Vorzug theilen, der dem preussischen Namen gebührt, und in den Jahrbüchern des preussischen Ruhms, brave Sachsen, wird die Geschichte auch Euem Namen verzeichnen

Wieu, den 2?. May 1815.

Friedrich Wilhelm.