Heft 
(1900) 9
Seite
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Neue Nachträge zur Dorfclironik von Nieder-Görsdorf.

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Eisenbahn.

Um dem Militärfiskus zu dienen resp. die Sekundärbahn von Jüter­bog nach Ireueubrietzen rentabel zu machen, ist dieselbe mit einer ziemlichen Krümmung über das alte Lager gelegt worden. Sie läuft so ziemlich neben der alten Wüstenchaussee, so dass nun auch in neuster /eit eine Wüsteneisenbahn über die öde Bergheide führt, welche ausser dem Schiessplatz und dem geringen Abbau Tiefenbrunn keine Wohn­stätte von Menschen berührt. Die hiesigen Dörfer, welche auf zwei Seiten die Bahnzüge dicht vorüberbrausen sehen und die doch die drei nächsten Bahnhöfe immer nur in einer Stunde erreichen konnten, waren schon seit langer Zeit im Nachteil gegen den östlichen Zug des Kreises, welcher reichlich Chausseen aufzuweisen hat. Es ging vieler Wunsch dahin, dass die neue Bahnstrecke von Treuenbrietzen in gerader Linie über Tiefenbrunn ungefähr an der Stelle des heutigen Bahnhofs Nieder­görsdorf in den Bahnkörper der Anhaitischen Eisenbahn einmünde. Dann wäre eine Verlängerung der Bahn über Seyda, Pretsch nach Leipzig und eine Verbindung über Nauen nach Hamburg mit Umgehung von Bahnhof Jüterbog, dessen Entlastung recht nötig ist, möglich geworden. Als die Behörden hierfür kein Ohr hatten und der Bahnhof im Walde von 1 Jennewitz, welcher, um doch etwas zu gewinnen, erbeten und be­willigt wurde, doch kaum von Nutzen sein konnte, da die Dörfer Wölms- dorf, Kaltenborn, Malterhausen ganz leer ausgingen, so trat als Beschützer seines Kreis-Dorfes Gölsdorf der Landrat von Herzberg ins Mittel und ihm ist es zu verdanken, dass, was trotz vieler Petitionen nicht möglich gemacht werden konnte, hier an der Anhaitischen Eisenbahn ein Bahn­hof mit Güterverkehr eingerichtet worden ist. Die Bahngebäude sind sehr ärmlich ausgestattet und enthalten nur die nötigsten Diensträume. Die Beamten haben keine Wohnung und müssen sich in Jüterbog ein Unterkommen suchen, was bei der reichlichen Verbindung möglich ist. Wie steht es mit ihrer Verpflegung! Der Bahnhof in seinem Verkehr zeigt, dass einem langen Bedürfnis endlich entsprochen worden ist. Es ist dort ein Korn- und Kohlen- auch Düngmittel-Geschäft entstanden und die Restauration nährt ihren Mann. Ein grosser Übelstand ist es, dass (1er linksseitge Bahnsteig bei (1er Lage des Bahnhofs in freiem Felde gegen die Unbill der Witterung, besonders gegen die scharfen Winde, welche über den baumlosen Fläming hinsausen, durch keine Schutzvorrichtung gesichert ist. Wir holen uns da oft den Schnupfen und sind gegen die Direktion, welche auf unsere Vorstellungen nicht eingehen will, stark verschnupft. Wir hoffen, dass sie bald ein gütiges Einsehen hat und nicht auf Kosten unserer Gesundheit zu sparsam für den Überfliessenden Säckel ist.

Ein anderer Wunsch bleibt noch dahin übrig, dass endlich auch ein Wandel auf der Wüstenchaussee nach Treuenbrietzen geschaffen

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