Heft 
(1900) 9
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14. (0. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

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14. (6. ordentliche) Versammlung des IX. Vereins­jahres

Mittwoch, den 19. Dezember 1900, abends 7k Uhr im Bürgersaale des Rathauses.

Vorsitzender Herr Geheime Regierungsrat Ernst Friedei. Von demselben rühren die Mitteilungen unter A 16 her.

A. 1 . Einen schmerzlichen Verlust hat unsere Brandenburgia durch den Tod des langjährigen Mitgliedes, russischen General-Leutnants Uoderich von Erckert erlitten, der unvermutet am 12. d. M. in seiner Wohnung, Cöthenerstrasse 3, unvermählt im nahezu vollendeten 79. Lebensjahr verstorben ist.

R. von Erckert war eine in der wissenschaftlichen Welt Berlins wie in seiner Gesellschaft gleich hochgeschätzte und bekannte Persönlich­keit. Er war zu Culm in Westpreussen als Sprössling einer preussischen Ofliziersfamilie geboren und begann in der preussischen Armee die militärische Laufbahn. Das Schicksal verschlug ihn nach Russland, in dessen Heer er bis zum Rang eines Generalleutnants emporstieg. Als er seinen Abschied nahm, kommandierte er eine Division im Kaukasus, dann schlug er seinen Wohnsitz in Berlin auf, wo er sich rasch heimisch fühlte. Der Aufenthalt v. Erckerts im Kaukasus hatte ihm interessante wissenschaftliche Anregungen gegeben; er verwandte die ihm gewordene Müsse dazu, seine Studien über die ethnographischen und sprachlichen Bezüge der Völkerschaften des Kaukasus zu vertiefen und wissenschaft­lich auszuarbeiten. Er hat in dieser Richtung höchst wertvolle Mit­teilungen veröffentlicht. Seine letzte ungemein sorgfältige und originelle Leistung war das Kartenwerk über die Siedelungen und Wanderungen unserer germanischen Altvorderen von der Steinzeit bis Karl dem Grossen,, welches ich in der Sitzung vom 31. Oktober 1900 ausführlich besprochen habe. Eine gewisse Todesahnung meines verehrten und lieben vieljährigen Freundes und Studiengenossen geht aus dem in der Einleitung enthaltenen Hinweis auf sein vorgerücktes Alter hervor, welches ihm die Abfassung eines ausführlicheren Textes verbiete.

Auch über vorslavische Gräber des alten Kujaviens, welches als ein fruchtbarer Landstrich am linken Weichselufer zum grösseren Teil zur Provinz Posen, zum kleineren Teil zu Russisch-Polen gehört, hat er auf Grund von Ausgrabungen Forschungen gemacht, welche sich mit östlichen Vorkommnissen unserer Mark berühren. Über diese und andere Arbeiten wird Rudolf Virchow ausführlich in den Verhandlungen der Berliner Anthropologischen Gesellschaft Bericht erstatten.