Am Werbellinsee.
465
die Aufmerksamkeit erregt. Es ist die Grabstätte des Feldjägers Schulze, der im dem genannten Tage bei einem Zusammentreffen mit 5 Wilddieben, während er mit einem derselben rang und seine Kameraden die andern verfolgten, von dem Garnweber Schüler meuchlings erschossen wurde. In der Schorfheide, wo die That geschah, erhebt sich das einfache „Schulze- denkmal“. Das Dorf, welches in der flachen Senkung zwischen dem Friedhof und dem alten Burgberg liegt, besteht nur aus wenigen, aber ganz ansehnlichen Häusern, an der Ostseite nach dem See erhebt sich die Oberförsterei und daneben auf dem Burgberge die Wohnstätte eines Forstaufsehers, welche über den umfangreichen Kellereien des ehemaligen Schlosses errichtet ist.
Von der alten Burg, die schon zur Askanierzeit bestand, wie dort ausgestellte Erkunden aus den Jahren 1301 und 1304 beweisen, ist nur wenig erhalten. Die Gleichgiltigkeit einer früheren Generation gegen vaterländische Altertümer hat es zugegeben, dass die stattliche Ruine nach und nach abgebrochen wurde und dass die Feldsteine zum Bau anderer Gebäude und als Pflastersteine verwendet wurden. Erst nachdem die Ruine durch Schenkung in den Besitz Kaiser Wilhelms I. gelangt war — vorher befand sie sich im ITivatbcsitz eines Steinhändlers — wurde dem weiteren Abbruch Einhalt geboten und die kümmerlichen Reste erhalten. Noch vor 25 Jahren sollen sich an der Seeseite die Überreste von sechs grossen Türmen mehrere Meter hoch erhoben haben, jetzt sind nur die Rondells der beiden Ecktürme einzelne schmale Gemächer, vier grosse Kellerräume mit dicken Mauern und die westliche Umfassungsmauer mit davorliegendem Graben erhalten, alles natürlich, ausser den Kellern, in sehr verwahrlostem Zustande, über und über mit Gebüsch und Unkraut bewachsen. Die Anlage der Burg lässt sich aus den vorhandenen Resten ungefähr noch erkennen.
Auf der Anhöhe lag das Hauptgebäude, dessen Umfang die erwähnten Kellerräume andeuten, nach der Seeseite war es mit sechs Türmen, zwei grossen Ecktürmen und vier kleineren in der Mitte, befestigt, auf der Landseite zog sich eine starke Feldsteinmauer mit tiefem Graben um die Burg herum, auf dieser Seite hat sich auch die Einfahrt befunden, durch Thorturm und Zugbrücke sicher gewahrt. Nach dem See zu lag, etwas tiefer als die Burg und durch eine Feldsteinmauer umgeben, der Burghof, wenigstens deuten die spärlichen Grundmauerreste darauf hin. Im Norden scheint ein Backsteinbau, welcher in späterer Zeit, vielleicht im 15. Jahrhundert, im Anschluss an das Hauptgebäude, errichtet wurde, gestanden zu haben. Die Stärke des Mauerwerks und die Art der Befestigung zeigen, dass die Burg Grimnitz hauptsächlich zu Verteidigungszwecken angelegt war (vermutlich 1247 von Markgraf Johann) und nur nebenher als Jagdschloss diente. Sie scheint auch in den unruhigen Zeiten nach Markgraf Waldemars Tode mehrfach der Belagerung ausgesetzt gewesen zu sein, vermutlich bei dem Einfall der Polen und Littauer im Jahre 1323, denn die Sage berichtet, dass die Polen sie lange Zeit vergeblich belagert hätten und dass ein polnischer Fürst, der bei einem Ausfälle der Markgräflichen gefangen genommen sei, zur Strafe an eine Hundehütte angekettet worden wäre itnd so seine fernere Lebenszeit hätte zubringen müssen. Die Hundehütte, welche, sobald sie zerfallen ist, stets wieder erneuert werden muss, befindet sich noch heutzu-
31