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Dr. Gustav Albrecht.
tage auf Burg Grimnitz, und zwar an einem abseits gelegenen Orte, da eifrige Sammler durch Mitnahme von Ilolzschnitzeln ihr ein vorzeitiges Ende zu bereiten drohten.*)
Schloss Grimnitz ist auch weiterhin von der Sage bedacht worden. In einem Verliesse der Burg, nach andern in einer Nische des Kellers (vermutlich eine frühere Hcrdstelle) soll Markgraf Waldemar seinen Kanzler Nikolaus von Buch haben anschmieden lassen, weil dieser gegen den Willen des Fürsten bei der Kaiserwahl Ludwig dem Bayern die Stimme der Kurmark gab, und, um die Qualen des Gefesselten zu erhöhen, soll man in der Nähe desselben täglich frische Äpfel hingelegt haben, die er nicht erreichen konnte. Wie das Volk erzählt, hat der Kerkermeister aus eigener Kuchlosigkeit diese Qual ersonnen und muss nun zur Strafe als Hund ohne Kopf umgehen. Ausserdem lässt sich in dem alten Gemäuer nachts von 12 bis 1 Uhr eine weis sc Dame sehen, die unter gewaltigem Kettengerassel rings um die Burgstelle herschreitet. Über den Ursprung dieser Sage wusste die Frau des Forstaufsehers, welche diese und andere Geschichten erzählte, nichts anzugeben.
Weisse Gestalten treten in der Umgebung des Werbellinsees vielfach hervor, so in den Lehmbergen bei Joachimsthal, an einem See aut dem Wege nach Golzow und auf einem Kreuzwege südlich von der Königlichen Ziegelei, ohne dass man weiss, weshalb diese Gestalten erscheinen. Vermutlich hat man es mit Resten alter Nixensagen zu thun.
Möglich ist auch, dass die Sage von der weissen Dame auf der Burg Grimnitz im Anschluss an den Unglücksfall der Kurfürstin Hedwig von Polen, der Gemahlin Joachims II., entstanden ist, welche im Herbst 1549 durch den morschen Boden des oberen Gemaches stürzte und sich an einem Geweih in der unteren Halle so stark verletzte, dass sie zeitlebens siech blieb. Wie bekannt, wandte sich Joachim später der schönen Giesserin, Anna Sydow, zu, und der Volksmund hat vielleicht durch jene ruhelos umherschweifende Gestalt die Trauer der Kurfürstin über ihr Unglück aus- drücken wollen. Die Sage hat sich übrigens dieser historischen Begebenheit auch in anderer Form bemächtigt. Wie das Volk erzählt, hatte ein polnischer Edelmann, der die Kurfürstin heimlich liebte, den Fussboden durchsägt, um den Kurfürsten zu beseitigen. Als indes der Fürst mit den Armen auf den Zwischenbalken hängen blieb und die Kurfürstin verunglückte, ergriff den Übelthäter bittere Reue, er zog sich in die Einsamkeit zurück und lebte in der „Mönchsbude“, einer noch jetzt durch einen Steinkreis bezeichneten Stelle der Schorfheide, als Einsiedler.
Nach anderer Überlieferung soll dieser Unglücksfall der Kurfürstin Hedwig sich in einem anderen, östlich vom Grimnitzsee gelegenen Jagdschlösse ereignet haben. Gewährsmann dafür ist, wie Dr. Böttger im 24. Jahrgang des „Bär“ (1898 S. 244) angiebt, der Oberförster Ichler zu Grimnitz, der 1748 berichtet, dass das Schloss Grimnitz aus zwei Gebäuden bestanden habe, wovon das ostwärts vom See gelegene nur ein Fachwerkbau gewesen sei, in welchem die Kurfürstin durch einen Spundboden hinab-
•) Die Sage von der Hundehütte klingt etwas sehr abenteuerlich und scheint mir die Erfindung eines phantasiebegabten Kopfes zu sein. d. Verf.