Heft 
(1900) 9
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if>. (7. ordentliche) Versammlung des IX. Vereins­jahres.

Mittwoch, den 30. Januar 1901, abends Uhr

im grossen Sitzimgssaale des Brandenburgischen Ständeliauses Matthäikircli-Strasse 20/21.

Vorsitzender: Herr Geh.-Reg.-Rat Friedei. (Von demselben rühren die Mitteilungen unter 3 bis 12 her.)

1. Der Vorsitzende begrüsst die Mitglieder, Gönner und Freunde in der ersten ordentlichen Sitzung zum neuen Jahr 1901 und diejenigen, welche trotz amtlicher Anordnung den Beginn des 20. Jahrhunderts erst am 1. Januar 1901 gelten lassen, gleichzeitig auch zum neuen Jahrhundert in der Hoffnung, dass dieser chronologische Streit, wenn er auch nicht allgültig entschieden sei, doch vorläufig, d. h. 99 bezw. 100 Jahre ruhen werde.*)

*) Für die Zähigkeit der Berliner Volksanschauung sei festgestellt, dass zum 1. Januar 1901 eine Menge auch gedruckter Neujahrswtinsche als zum Jahr hundert Wechsel ausgegeben sind. Da in anderen Ländern deutscher Zunge überhaupt, auch amtlich, der Jahrhundertswechsel erst zum 1. Januar 1901 stattgefunden hat und die Berliner Industrie nach diesen Ländern Glückwunschkarten absetzt, so sind für den Export viele dergleichen Karten zum 1. Januar 1901 als zum Jahrhunderts­wechsel ausgestattet worden. Auch die Volksdichtung hat sich des Streits vielfältig bemächtigt und führen wir des Beispiels halber zwei Verse von Uneinverstandenen an. Der eine vom Sylvesterabend 1899 sagt:

Und ob Ihr auch Euch wundert,

Noch lang ists Zeit, ich meins:

Für mich schliesst das Jahrhundert Mit Neunzehnhunderteins.

Ein anderer vom Sylvesterabend 1900 lautet mit Travestie der bekannten Schillersclien Verse:

Wie schön, o Mensch, mit deinem Palmenzweige,

Stehst du mit grossem Stolz und Selbstgenügung Zum zweitenmal an des Jahrhunderts Neige 1 Im Vorjahr wars nur preussische Verfügung.

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