Heft 
(1896) 4
Seite
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Bericht über die 1. ausserordentliche Versammlung des 3. Vereinsjahres. 35

unsere Fahrten nach der ältesten Stadt des Landes, der alten Heveller- veste Brandenburg, nach dein Wohnsitz der Lebuser Bischöfe in Fürstenwalde, nach der alten Hussitenbezwingerin Bernau und Kloster Chorin, der Ruhestätte unserer askanischen Markgrafen. Zur Bereiche­rung unserer geologischen Kenntnisse haben wir die Rauenschen Berge erstiegen und uns in die durch ihre organischen Einschlüsse berühmten Kiesgruben von Rixdorf vertieft; botanischen Studien haben wir Dank der liebenswürdigen Gastfreundschaft unserer Mitglieder Dr. Bolle, Körner und Späth in deren grossartigen Park- und Garten-Anlagen zu Scharfenberg, Rixdorf und Neubritz obliegen können.

Auch die ökonomische Seite der Heimatskunde ward gepflegt. Ein Namensvetter unseres Bolle hat uns in die Geheimnisse der Milchwirt­schaft und Meierei eingeweiht, ja selbst in der Bäckerei haben wir uns ausgebildet, indem wir an Königlicher Stelle das Porzellan-Backen, bei Theodor Hildebrand das vielleicht manchem annehmlicher dünkende Honigkuchen-Backen mitangesehen haben. Mitglied Bernhard Teige hat uns die edle Goldschmiedekunst unserer Altvorderen veranschaulicht und erst in der letzten Sitzung sind als Seitenstück hierzu die Silberschätze des Märkischen Museums ausgestellt worden, welche aus den verschie­densten Teilen Europas im 10. und 11. Jahrhundert bei unseren Wenden zusammenströmten. Vor wenigen Tagen hat unser Mitglied Herr Mielke uns einen Einblick in die Hochschule der berlinischen Kunstweberei thun lassen. So könnte ich noch vieles von unserer Thätigkeit er­wähnen, wenn es die Kürze der Zeit erlaubte.

Heut Abend verehrte Festgenossen wollen wir nicht ge­meinsam arbeiten, sondern, wie es unser wohlerworbenes Recht ist, auch einmal gemeinsam feiern.

Unsere Heimatskunde verbindet auf wissenschaftlichem und vater­ländischem Gebiet Stadt und Land, die Hauptstadt Berlin mit der Provinz Brandenburg, den Berliner mit dem Märker.Hie gut Brandenburg alle Wege! soll es bei uns heissen, aber auch nach dem andern Wort unseres kaiserlichen HerrnBerlin alleweil vorne voran!*) Alles das verbindet uns Berliner und Märker gleichzeitig mit unsrem Markgrafen von Brandenburg. Vorn voran wollen wir uns auch stets in der Treue und Loyalität erweisen.

Zur Bethätigung dessen sei Allerhöchst Ihm unser erstes Glas, unser erster Trinkspruch in dem dreimal brausenden Ruf gewidmet: Unser Markgraf, Seine Majestät unser allergnädigster Kaiser, König und Herr lebe hoch, nochmals hoch, immerdar hoch!

*) Von unserem Kaiser zum ersten Male gesprochen beim Festmal des Branden- burgischen Provinzial-Landtags im Englischen Hause am Sonnabend den 24. Febr. 1895.