Heft 
(1896) 4
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Säugetiere der Provinz Brandenburg.

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innerhalb des städtischen Weichbildes, aber an der iiussersten, gänzlich un­bewohnten Stelle desselben, im Norden innerhalb der Rebberge Füchse Vorkommen. Kürzlich ist nun der zoologischen Sammlung des Märkischen Provinzial-Museums ein im Humboldthain gefangener und erlegter Fuchs zugegangen. Vielleicht hat das Tier sich auf den den Park kreuzenden Eisenbahnlinien nächtlicherweise eingeschlichen. Der noch jugendliche Reinecke ist in eine der Katzenfallen gegangen, die am Saume des Ilumboldthains zum Schutz der brütenden Edelsänger, Grasmücken, Nachtigallen etc. auf­gestellt werden. Der Wächter, welcher das unvorsichtige Tier in der Falle fand, schoss es ohne Gnade todt.Stirbt der Fuchs, so gilt der Balg, sagt Altmeister Goethe, jetzt prangt Reineckes Balg, von Herrn Keitel am Nikolaikirchhof wohl ausgestopft, als Rarität in der städtischen Tiersammlung. B. T. Bl. 31. Juli 1892.

3. Canis vulpes L. auf der Insel Scharfenberg im Tegeler See. Wenige Tage hiernach erhielt das Märkische Museum einen Fuchs, der auf der Herrn Dr. Carl Bolle gehörigen Insel Scharfenberg geschossen war. Da auf dem Eilande Fuchsbauten nicht sind, muss das Tier über den Tegeler See geschwommen sein. E. Friedei.

1. Der Maulwurf, Talpa europaea L., ist von Dr. Carl Bolle mitten im Tegeler See mehrfach schwimmend gefunden. Vergl. Nr. 14.

f>. Das Eichhörnchen, Sciurus vulgaris L., durchschwimmt zur Zeit der Reife der Haselnüsse, nicht selten von der Heiligenseeer Forst kommend den Tegeler See, um auf der Insel Scharfenberg der leckeren Atzung nach­zugehen. Vgl. Nr. 14 und 15.

6. Der Igel, Erinaceus europaeus L., ist auf der Insel Scharfenberg im Tegelschen See sehr häufig und macht sich als Vertilger von Mäusen nützlich. Vgl. Nr. 20 bis 23.

7. Die nordische Wühlratte, Arvicola ratticeps Keyserling und

Blasius, ist von dem cand. med. R. Stimming bei Brandenburg a. H. mehr­fach gefangen, als A. agrestis bestimmt, von Prof. Dr. A. Neliring aber als A. ratticeps erkannt -worden. Neu für unsere Provinz. Vgl. Naturwiss. Wochenschrift vom 28. August 1892, S. 354. Nehring nennt das Tiergewisser- massen ein Relikt aus der Diluvialzeit. E. Friedei.

8. Der Hamster, Cricetus frumentarius Pallas, ist von Herrn Gustav

Stimming bei den Dörfern Möser und Grähnert, westlich von Brandenlrarg a. H. kürzlich bemerkt worden. Nehring a. a. 0. S. 355. Ich habe ihn in meiner Schrift: Die Wirbeltiere der Provinz Brandenburg, 2. Ausg. Berlin 1886, S. 62 von Nauen, Jüterbog und Treuenbrietzen, sowie mehreren Feldmarken der Priegnitz erwähnt. Vgl. auch Nr. 24. E. Friedei.

9. Abnahme der Ratten in Berlin. Berlin ist vor der Kanalisation, gleich Paris, eine der an Ratten reichsten Städte gewesen. Im Anfang dieses Jahrhunderts wurde in unserem Weichbikle, wie allmälig im gesamten Europa, die einheimische schwarze Hausratte (Mus rattus Linne) durch die aus Sibirien eingewanderte, viel schlimmere und bissigere graubraune Wanderratte (Mus decumanus Pallas) fast vollständig verdrängt. Dieses Tier, unsere verhasste, gef'rässige und gefürchtete Wanderratte wird nunmehr innerhalb unserer Ringmauern durch eine eigene Ironie des Schicksals ihrerseits unablässig