Heft 
(1896) 4
Seite
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Carl Bolle, Wendische Dämonen.

abends, nach Sonnenuntergang, in den Mühlen nicht mehr mahlen, ohne dass etwas am Räderwerk entzwei ging. Dem zu entgehen, war es nötig, dem Nix zu opfern. Schwarze Thiere mussten das sein: Katzen, Hühner, Tauben, Enten: zuweilen verstieg man sich sogar bis zu Ferkeln und Kälbern; auch warf man ganze Brotlaibe in den Mühlgraben, weil sonst jemand gestorben wäre. Manche sagen: es durfte nur etwas Lebendiges sein. Die Mühlräder pfiffen, wenn die Nixe hungrig waren und etwas haben wollten. Das hörte sich schaurig an.

Die bekannte Buschmühle, die grosse Burgsche, die Kschischokamühle bei Müschen und die alte Lübbener Stadtmühle waren Lieblingswohnungen von Nixen. Als vor fünfzig Jahren die Buschmühle umgebaut wurde, brannte man vier Wochen lang, von gleich nach Sonnenuntergang die ganze Nacht durch bis zum Sonnenaufgang, grosse Holzfeuer, damit der Nix keine Stätte mehr dort haben sollte.

Sehr hübsch ist eine Nixengeschichte, in welcher der Müller als der Ueberlegene, der Wassergeist als der geprellte arme Teufel erscheint. In der Burgschen Dorfmühle war ein Nix, der kam immer um die zwölfte Stunde und kochte sich Fische. In der Mühle befand sich ein Gasthof, wo einmal zufällig ein Mann mit Bären einkehrte. Wiederum zu nächtlicher Stunde begann der Nix seine Abendmahlzeit zu rüsten; da kam einer der fessellos gebliebenen, hungrigen Bären, um sich Fisch aus dem Kessel zu holen. Vom Nix auf die Pfoten geschlagen, gab es sofort einen Ringkampf zwischen beiden. Alles wurde dabei durcheinander geworfen, das Feuer verlöscht und der Kessel umgestürzt. In nächster Nacht klopfte der Nix dreimal an und frug: Meister Müller, ist die grosse braune Katze noch zu Haus? Ja, lautete die Antwort, sie liegt in der Bodenkammer und hat sechs Junge bekommen. Hierauf räumte der Nix das Quartier, denn in solcher Gesell­schaft zu leben, verging ihm die Lust.

Häufig plumpst es im Wasser und der Kahn, wie fest gebannt, kann nicht von der Stelle ja man fährt von der Schummerstunde bis Mitter­nacht und findet sich zuletzt wieder an derselben Stelle ohne vorwärts gekommen zu sein; oder es hängt sich centnerschwer ans Steuer. Auch als kleinen Jungen hat man den Nix schon gesehen. Mitleidige Menschen nahmen ihn, weil er verirrt und hilflos schien, zu sich in die Stube. Man erkannte ihn dann daran, dass er das ihm vorgesetzte Essen nicht in den Mund steckte, sondern vorn am Halse unter den Rock schüttete. Beim Angeln oder sonstigen Fischen spielt der Nix nicht selten den Störenfried und dann be­gegnet es ihm wohl mit der Plumpawa( Fischerstange) über den Kopf gehauen zu werden und dergestalt den Kürzeren zu ziehen.

Endlos sind die Geschichten, die von den Wassernixen erzählt werden. Einstmals erscheint ein solcher in dem elegischen Lichte eines wider Willen Vertriebenen und Abziehenden. Da sitzt er im grünen Jäckchen bei Lapanks Banks, dem hohen Holzstege über einem Spreearm, flickt was er zu flicken hatte, seine paar Lumpen und singt dabei:

Tu lapku na tu zerku. ( Läppchen aufs Löchchen.)