13. (3. (iffentl.) Versammlung des IV. Vereinsjahres.
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die Gewächshäuser, die grosse und die kleine Orangerie sowie die beiden Glashäuser wurden baufällig, weil das Holz vermoderte. Von den mit vielen Kosten herbeigeschafften exotischen Gewächsen ging ein sehr grosser Teil überhaupt ein und so wurde denn das entbehrlich gewordene grosse Orangeriehaus in einen Pferdestall umgewandelt.
Der Garten diente in dieser Zeit hauptsächlich praktischen Zwecken und zwar dem Anbau der Apothekerkräuter. Anderweitige Interessen konnten natürlich nur in untergeordneter Weise gepflegt werden. Dass dieses überhaupt geschah, war hauptsächlich das Verdienst Michelmanns. Wie sehr dieser bemüht war die aus den Zeiten Gundelsheimer’s stammenden Pflanzen besonders des freien Landes zu erhalten und zu vermehren, geht aus dem Katalog des Jahres 1744- hervor, welcher uns eine Übersicht über die damals kultivierten Pflanzen giebt.
Tn demselben Jahre erhielt Johann Gottlieb Gleditsch die Aufsicht über den Garten, Gleditsch der durch seine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten bekannt ist, war zu gleicher Zeit ein tüchtiger und eifriger Verwaltungsbeamter. Er konnte zwar trotz allen Eifers nicht Alles erreichen, was er für wünschenswert hielt, doch setzte er wenigstens durch, dass der Anbau der Apothekerkräuter aufhörte und dass der vordere Teil des Gartens wieder der Wissenschaft und dem Studium gewidmet wurde, während der mittlere Teil als Gemüsegarten für den Gärtner diente und im hinteren Teile ein Arboretum angelegt wurde.
Leider trat indessen durch den siebenjährigen Krieg eine vollkommene Unterbrechung in diesen Arbeiten ein. Die Mittel wurden von Jahr zu Jahr vermindert, bald konnte nicht einmal das Bestehende auch nur notdürftig erhalten werden. Zuletzt kamen noch gar die kriegerischen Einfälle; russische und österreichische irreguläre Truppen setzten sich im Garten, im dahinterliegenden Elsenbruch und im Dorfe Schöneberg fest. Das Gehege des Gartens wurde durch sie niedergerissen und verbrannt, die Kulturen vernichtet. Der Garten war so weit heruntergekommen, dass er nicht einmal die zur Demonstration auf dem Theatrum anafomicum nötigen Pflanzen zu liefern im Stande war.
Auch als der Friede endlich wiederkehrte, dauerte es lange, ehe bessere Zeiten für den Garten kamen. Wohl mühte sich Gleditsch und später sein Nachfolger Mayer die für die Instandsetzung des Gartens notwendigen Mittel zu erhalten; die Akademie wünschte die notwendigen grossen Kosten zu ersparen. —
Erst als im Jahre 1801 Willdenow die Verwaltung des Gartens übernahm, gab die Akademie ihren bisherigen Widerstand auf. Während noch im Jahre 1801 der Garten sich mit 2700 M. hatte begnügen müssen, stiegen bereits im Jahre 1803 die Ausgaben auf 11500 M. und selbst im Jahre 1811 noch auf 13800 M., obgleich doch gerade damals die Finanzlage des Staates äusserst ungünstig war. Willdenow hatte sich