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13. (3. öffentl.) Versammlung des IV. Vereüisjabres.
bei Übernalime des Amtes das Ziel gesteckt „den botanischen Garten der möglichsten Erweiterung der Pflanzenkunde dienstbar zu machen“ und durch Anstellung von Versuchen mit ökonomisch, technologisch und medizinisch wichtigen Gewächsen auch die angewandte Botanik zu fördern. Er verfolgte dieses Ziel mit zäher Ausdauer und mit rücksichtsloser Energie auch der Akademie gegenüber, ja über deren Kopf hinweg; in dem kurzen Zeitraum von elf Jahren erreichte er staunenswerte Resultate. Als Willdenow im Jahre 1801 die Verwaltung des Gartens übernahm, betrug die Zahl der kultivierten Pflanzenarten nur 1200: bereits im Jahre 1808 war sie auf 6300, im Jahre 1812 auf 7700 Arten gestiegen und der Garten war in Bezug auf die Zahl der Pflanzenarten mit den ersten botanischen Gärten der Welt in Wettstreit getreten.
Und was Willdenow begonnen hatte, wurde in schönster Weise weiter geführt durch Link. Wiederum wurden die Pflanzenschätze vermehrt, hauptsächlich durch eigens zu diesem Zwecke ausgesandte Reisende und bereits im Jahre 1846 war der Garten der reichste in ganz Europa in Bezug auf die Zahl der kultivierten Species (14061 Arten).
Nach Links Tode übernahm 1851 Alexander Braun die Leitung; auch er hat in segensreichster Weise die weitere Entwickelung des gross- artigen Institutes gefördert. Es seien hier nur erwähnt die Neubauten von Gewächshäusern (1852 Haus für die Victoria regia, 1858 das grosse Palmenhaus, 1862 ürchideenhaus, 1875 Farnhaus) sowie die in den Jahren 1855—1857 erfolgte Vergrösserung des Gartens durch Ankauf von 451 Ar.
Braun gal» ausserdem, was von Tausenden und Abertausenden mit Freuden begrüsst wurde, für den Besuch des Gartens ein neues Reglement. Während nämlich bis dahin der Garten nur am Freitag für das Publikum geöffnet war, bestimmte er, dass der Zutritt für Jedermann an fünf Tagen der Woche gestattet sein sollte. Die Veranlassung zu dieser Mass- regel gab der grosse Andrang der Berliner Bevölkerung, als im Jahre 1852 die Victoria regia hier zum ersten Male blühte. Bis auf den heutigen Tag hat, das ist ja einem jeden Berliner bekannt, die Victoria regia ihre grosse Anziehungskraft auf das Publikum nicht eingebiisst; es wallfahrten zahllose Schaulustige in den botanischen Garten, wenn, wie es seit 1852 alljährlich der Fall ist, die Victoria regia in Blüte steht. Ausserdem aber wurde der botanische Garten durch Alexander Brauns liberales Reglement zu einer Stätte der Belehrung und der Erholung für die gesamte von Jahr zu Jahr wachsende Zahl der Anwohner in den im Südwesten von Berlin gelegenen Stadtteilen.
Das Bestreben, den Garten in noch umfangreicherem Masse, als es früher geschehen war, zu einem anziehenden Bildungsmittel des Publikums zu machen, hat auch Brauns Nachfolger Eichler (1878—1887) und Engler (seit 1889) zu bedeutenden Umgestaltungen veranlasst. Es wurde