Heft 
(1896) 4
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18. (8. ftffentl.) Versammlung des IV. Vereinsjalires.

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um nur die wichtigsten derselben aufzuzählen, ein Alpinum geschaffen, das die so äusserst mannigfaltigen Alpengewächse vereinigt; die offizinellen und die Nutzpflanzen wurden auf besonderen Beeten zusammengestellt; die Gewächshauspflanzen werden während des Sommers nach den ptlanzengeographischen Gebieten angeordnet, so dass sie den physiogno- mischen Charakter der verschiedenen Floren zur Anschauung bringen; für die Sumpf- Moor- und Wasserpflanzen wurde eine neue umfang­reiche Anlage geschaffen. Eine grosse und wichtige Verbesserung war die Anlage einer über den ganzen Garten ausgedehnten Wasserleitung; erst durch diese, um mit Eichler zu reden, grösste Wohlthat, welche der Garten seit seinem Bestehen empfangen hat, wurde er in den Stand gesetzt seinen Pfleglingen das neben Luft und Licht wichtigste Lebens­bedürfnis, das Wasser, unabhängig von der Laune der Witterung zur rechten Zeit und in genügender Menge zu liefern.

Ursprünglich weit von den Thoren Berlins angelegt, ist der Garten schon seit 30 Jahren von der Stadt erreicht, ja jetzt sogar rings von Häusern umschlossen. Kein Wunder ist es daher, dass sich für die Pflanzenkulturen manche Übelstände einstellen, welche mit der Nähe der grossen Stadt untrennbar verbunden sind. Es ist daher begreiflich, dass der Plan entstehen konnte, den Garten zu verlegen und eine neue Garten­anlage an einer Stelle vorzunehmen, wo die Vegetation vor Strassen- staub und Fabrikrnss, vor dem schädlichen Schatten naher Häuserblocks und dergl. möglichst sicher ist. Es wird, wie allgemein bekannt ist, schon seit Jahr und Tag die Frage erörtert, ob man nicht in Dahlem oder einem anderen geeigneten Vororte einen neuen Garten anlegen solle; es soll, wenn man Zeitungsnachrichten Glauben schenken darf, die Ab­sicht bestehen die hierfür sowie für andere grosse neue Anlagen erfor­derlichen Geldmittel dadurch zu beschaffen, dass der alte Garten, der ja dann entbehrlich sei, an Spekulanten verkauft und zur Anlegung von Bau­stellen parzelliert werde. Uns erscheint dieser Plan den Garten zu zer­stören bedauerlich pietätlos. Sowohl durch viele Erinnerungen an unser Herrscherhaus wie auch durch zahlreiche für die Wissenschaft bedeu­tende Arbeiten ist unser botanischer Garten mit der Geschichte unserer Stadt verbünde]!. Wenn eine Verlegung des Gartens aus Rücksichten auf die wissenschaftlichen Aufgaben des^Institutes notwendig ist, so sollte doch wenigstens als Park für den mächtig emporblühenden südwest­lichen Stadtteil unserer Stadt erhalten werden der Garten des Grossen K ur fürsten.

Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen.

Nach der Sitzung vereinigten sich die Mitglieder der Gesellschaft zu einem zwanglosen Beisammensein im Restaurant Grosser Kurfürst.