Heft 
(1897) 6
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3. (1. Arbeite-) Sitzung des VI. Vereinsjahres.

werke. Ich führte an, dass das alte Reibsche Blockhaus lange Zeit zur Krug-Wirtscliaft diente. Wenn man die heutigen Wirtshäuser damit vergleicht, sollte man es kaum glauben, doch die Ansprüche früherer Zeiten waren geringer. Wir finden heut noch in der Mark, namentlich in Dörfern, die abseits von grösseren Landstrassen liegen, derartige kleinere, ganz bescheidene Wirtschaften. Man sollte es kaum für möglich halten, dass die Leute in so kleinen Räumen oft die ganze Nacht hindurch tanzen. Doch habe ich derartiges auch anderswo ge­funden, zum Beispiel in Tirol, wo ich es erlebt habe, dass das kleine Tanzstübchen am andern Morgen auf dem Fussboden wie eine Tischler­werkstätte aussah, so war derselbe von den nägelbeschlagenen Schuh­sohlen bearbeitet worden.

b) Ein eisernes Schwert-Messer und ein Henkelgewicht von Ützdorf, Kreis Nieder-Barnim.

Im Osten des Kreises Nieder-Barniin, drei Meilen nördlich von Berlin, liegt der Liepnitz-See, dessen Umgebung bekannt ist als Fund­ort vorgeschichtlicher Altertümer. An seinem nordöstlichen Ausfluss liegt das jetzt aus 6 bis 8 Häusern bestehende Dorf Ützdorf; dasselbe ist in der Hussiten-Zeit gänzlich zerstört worden, vordem war es grösser. Hart an der Strasse, die nach Lanke führt, am Ausfluss des Sees, lag die Mühle. Von dieser Stelle 30 m nördlich, dicht an der Landstrasse, baute sich der Rentier Herr Schmidt aus Berlin 1895 ein Landhaus. Beiin Bau desselben wurden 4 bis 5 Fuss tief obige Gegenstände ge­funden, die mir Herr Schmidt gütigst üherliess.

Das Messer, stark verrostet, ist von der Schneide nach dem ge­raden Rücken zugespitzt. Die ganze Länge beträgt 81 cm, doch fehlt ein Teil vom Heft desselben. Die Länge der Klinge ist 22, die Breite 4 cm, der Rücken 4 mm stark, nach der Spitze zu 2 mm. Das Heft ist am Rücken 5, unten 3 mm dick und von zwei Löchern durchbohrt, hier gingen wohl die Stifte hindurch, die den Holzgriff befestigten. Dicht unten an der Schneide sitzt ein 2' 2 cm hoher und 2 cm breiter flachkronenförmiger Parier-Stift. Das Gewicht des ganzen Messers be­trägt 188 gr.

Nicht weit davon fand sich ein eisernes, kugelartiges Objekt mit einem eisernen Bügel oder Henkel. Die Kugel ist durchbohrt, der Bügel ist dann hineingesteckt und unten umgenietet zur Befestigung desselben. Das Gewicht dieser Kugel beträgt 310 gr. Vielleicht ist es als Uhr­gewicht gebraucht.*) Jedenfalls sind beide Gegenstände mittelalterlich.

In nächster Nähe der Fundstelle, nur noch etwas tiefer, kam eine Wasserleitung zum Vorschein, bestehend aus halben Baumstämmen, die übereinander lagen, innen ausgehölt. Die Röhren lagen auf einer festen

*) Es ist die Schlagkugel eines Kriegsflegels aus dem 15. Jahrh. Buchholz.