Altberlinische Stätten.
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Thonschicht, denn das Erdreich ist hier sumpfig. Ich möchte liier noch bemerken, dass sicli in den Birken hinter dem Forsthause ein alter Kirchhof befindet, der bis zuiu vorigen Jahrhundert von den Bewohnern benutzt wurde. Jetzt werden die Toten im nahen Dorfe Lanke bestattet.
7. Demnächst hielt das Ehrenmitglied Ferdinand Meyer einen Vortrag über
„Altberlinische Stätten“,
unter Ausstellung der betreffenden, von ihm aquarellierten Ansichten.
Der Prozess der Neugestaltung Berlins vollzog sich während der Regierungszeit des verewigten Kaisers Wilhelm stetig und unaufhaltsam iin Innern wie in dem immer weiter sich ausdehnenden Umkreise der Stadt. Alte Gebäude, ganze Strassen mit den Ueberresten früherer Architektur sanken in Staub, und auf den freigelegten Trümmer- 1 feldern erstanden in rapider Schnelligkeit schönere und stattlichere öffentliche und Privatgebäude, — entstanden ganze Häuserfluchten, in deren Erscheinung und innerer Einrichtung nichts mehr erinnert an das, was einst an ihrer Stelle sich erhoben.
Manches freilich ist dabei zu Grunde gegangen, was an das alte gemütliche Berlin erinnerte, das wir ältesten Berliner mit aller Liebe durchforscht; manche Stätte auch, die — wie noch geschildert werden soll — berühmte Persönlichkeiten betreten oder bewohnt hatten.
Was hilft’s, wir sind eben Weltstadtbürger geworden, und schliesslich muss man sich mit seinem historischen Gewissen doch durch den Gedanken abfinden, dass nichts bleibend ist, als der Wechsel der Dinge.
Eine dieser ältesten Stätten war die von der Sage umwobene des Heiligegeistkirchleins und dessen Hospitals, — eine Stiftung werkthätiger Frömmigkeit jener Zeit, in der die Gründung der Stadt sich vollzog, ausserhalb deren ältester Mauer („extra muros“) die Stiftung lag. Ihrer geschieht zuerst Erwähnung in dem Gildebriefe, den die Rath- mannen „ihren lieben Mitbürgern“, den Bäckern, im Jahre 1272 erteilten, dass sie das Gewerk wohl halten sollten. Denn der gesunde Mensch könne, wie jener Brief beginnt, nicht lange Zeit ohne Brot sein, es käme denn von Gottes Gnaden. Wäre aber das Brot, das die Rathmannen des Sonntags und Mittwochs in den Scharren besehen sollten, des Geldes nicht wert, dann hätten sie Macht zu gebieten, dass soviel Brot, als in den Scharren sei, nach den beiden Armenhöfen (zum Heiligegeist und St. Georgen) getragen würde.
Der zugleich als Kirchhof dienende Hospitalgarten, an den sich die bekannte, in unserer Gesellschaft jüngst wiederholt behandelte Sage von den drei „Verkehrtlinden“ knüpft, dehnte sich bis zur Spree aus. Nach dun wurde die Heiligegeistgasse vordem „Am Heiligegeist-Kirchhof“