Altberlinische St litten.
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den Einwohnern der Stadt die Wolfgangbrüderscliaft, deren Sitz in der Nähe der Marienkirche sich befand, in Erinnerung gebracht werde.
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Zwischen der alten Ileerstrasse nach Bernau und Prenzlau lag der erste Schützenplatz der Berliner Gilde, dessen Schiesshaus oder „Schiitzenkrug“ an der Ecke der Alten Schützen- und Neuen Königstrasse (No. 37) stand.*) Hier war schon zu Zeiten Joachims 1. der einzige Berliner Y'olksvergnügungsort, auf dem auch die Hofjunker und kurfürstlichen Diener, seihst in Gegenwart ihres hohen Herrn sich’s Wohlsein Hessen heim Zerhster Bier, und wacker im „Glückstopf“, (den Würfelhuden) spielten, während beim „Bohm mit. der Büchse und dem Bogen nach dem Vogel geschossen wurde“, der Rat hei Anwesenheit des Kurfürsten auch Rhein- und andere süsse Weine spendete. Zur Zeit der Türkenzüge schoss man (1608) statt nach dem Vogel nach einem Muselmann. Während der Schrecknisse des dreissigjährigen Krieges verstummte auch hier das lustige Lehen und Treiben; das Schiesshaus wurde zum Lazaret für Pestkranke eingerichtet. Im Jahre 1650 wieder neu hergestellt, hatte sich 50 Jahre später das Bedürfnis nach einem gemeinsamen Friedhofe von St. Nikolai und Marien geltend gemacht, deren Begräbnisstätten um die beiden Gotteshäuser gelegen waren. Durch Kabinetsordre vom 25. Juli 1708 wurde der auf beiden Seiten von den Gärten der Grundstücke in der Neuen König- und Prenzlauerstrasse „wohlverschlossene“ Schützenplatz, welcher bis nahe zur „Mudrichs- gasse“ (jetzigen Keibelstrasse) reichte, „für die durch Gottes Gnade und Segen täglich sich mehrenden Einwohner nebst deren Gesinde zum Be- gräbnisplatz gewidmet“. Die Schützengilde erhielt dafür das von beiden Kirchen bereits für 500 Thlr. angekaufte Ackerland des Schlächtermeisters Schäfer überwiesen, welches in einer Länge von 56 und einer Breite von 30 Ruten hinter No. 5 und 6 der heutigen Linienstrasse lag. Hier war bereits ein Totengräberhaus errichtet, das dann behufs Erbauung des neuen Schützenhauses wieder abgebrochen wurde. Nunmehr erhielt der zwischen Prenzlauer- und Neue Königstrasse gelegene Strassenteil die Bezeichnung „Neue Schützenstrasse“, von der aus die Schiessgasse über die Mudriehsgasse bis zu dem sogenannten „Alten Schützenkirchhof“ als eine Sackgasse hinlief.
Auf demselben fanden, wie auf den übrigen Kirchplätzen, in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts während der Sommermonate die sonntäglichen Vesperpredigten statt. Dies gab den „mutwilligen Jungens“ Gelegenheit, den Ort zu einer Versammlungsstätte zu machen und nicht nur viel Lärm zu verursachen, sondern auch Beschädigungen
) Dasselbe wurde 1617 auf Befehl des Kurfürsten Johann Sigismund vom Rat ür die Bogen- und Büchsenschützen erbaut.