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Altberlinische Stätten.
anzurichten. Infolgedessen erhielt der Gefangen-Inspektor den Auftrag, die dort herumschwärmenden liederlichen .Tangens einen 'lag nach „Kalandshof“ (dem damaligen Stadtgefängnis) zur Bestrafung zu bringen.
Als dann 1768 den Grundstücksbesitzern gestattet war, ihre nach dem Kirchhof gehenden Pforten gegen einen jährlichen Zins von 2 Thalern benutzen zu können, erklärte der Gouverneur v. Kamin, einen Exerzierscbnppen daselbst erbauen zu wollen. Denn der Kirchhof liege, wie Se. Exzellenz auf eine Vorstellung der Kirchenbehörden antwortete, den Regimentern von Koschenbahr und Rentzel am bequemsten zum Exerzieren, und es bleibe noch Platz genug zur Be- grabung der Toten übrig, welche ohnedies ganz ruhig liegen würden. Im Juni des folgenden Jahres war dann das noch jetzt vorhandene (seit vielen Jahren als Lageiraum verpachtete) Exerzierhaus in einer Länge von 240 Fass vollendet. Daun erstand neben demselben (Alte Schützenstrasse 2), ebenfalls auf Kirchhofsterrain, ein Militär-Lazaret. Diesen Baulichkeiten gegenüber gesellte sich 1702 noch ein neuerbautes Spritzenhaus hinzu, und sielten Jahre später verlegte das Direktorium die Anstalt des „Strassenreinigungs-Fuhrwesens“ von dem Posthofe ebenfalls nach dem Kirchhofe, seitwärts vom Exerzierhause (jetziges Feuerwehr- Depot, Keibelstrasse 27, 28).
Allerdings war der Kirchhof inzwischen durch die Ilerrichtung der neuen Begräbnisstätte am Prenzlauer Thor entbehrlich geworden. Nur in dem an die Kirchhofsumfriedigung grenzenden, für die Eximierten und deren Erbbegräbnisse 1720 angelegten „Kleinen Schützenkirchhof“ wurden Bestattungen noch bis zum Beginn unseres Jahrhunderts vorgenommen. Dann erfahren wir, dass die Gitter und Epitaphien durch das herumwohnende Gesindel weggestohlen wurden, dass das einstöckige Gewölbe des Brauers Fischer einzustürzen und diejenigen zu erschlagen drohte, welche so dreist wären, hier einzusteigen, um Handgriffe und Beschläge von den Särgen zu stehlen und „Leichen horumzuwühlen“. Nebenbei trieben die Anwohner ihre Schweine „zum Grasfressen“ auf (hm Kirchhof. Dieser unerfreuliche Zustand endigte mit der in der zweiten Morgenstunde des 20. Juni 1820 erfolgten Ueberführung der hier noch vorhanden gewesenen Särge nach dem neuen Begräbnisplatz am Prenzlauer Thor.
Inzwischen hatte Professor Wad zeck das kleine, auf einem zur ehemaligen kurfürstlichen Sandschäferei gehörig gewesenen Wiesenfleck erbaute Haus nebst Garten, an der Ecke der Schiess- und Mudric.hsgasse zur Gründung einer Wohlthätigkeitsanstalt erworben, deren Eröffnung am Königsgeburtstag, 3. August 1819, stattfand. Bei der täglich zunehmenden Anzahl von Pfleglingen sah er sich genötigt, die Anstalt durch den Ankauf des in der Schiessgasse angrenzenden Grundstücks zu vergrössern. Am 29. Juni 1820 wurde der Grundstein zum Neubau