Altberlinische Stätten.
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gelegt; im Oktober 1823 war das Gebäude, wie es auf dem ausgestellten Bilde erscheint, vollendet. Der hochherzige Stifter sollte die Ausführung nicht mehr erleben, bereits am 2. März war er im (11. Lebensjahre sanft entschlummert; edle Menschenfreunde hatten sein Werk vollendet. An seinem Todestage aber versammelten sich noch in späteren Jahren die Zöglinge der Wadzeck-Anstalt um sein Grab auf dem Kirchhof am Brenz- lauer Thor, um an der Hand ihrer Lehrer den Tod des vollendeten Menschenfreundes zu feiern. Sein Grab war bereits in den sechsziger Jahren verschwunden; auf den Armen des Kreuzes standen damals nur noch die Jahreszahl 1823 und der Name Franz Daniel Friedrich Wadzeck. Möge die von ihm gegründete, jetzt unter dem Protektorat der Kaiserin Friedrich stehende Anstalt noch lange zum Segen der menschlichen Gesellschaft fortbestehen!
Noch in seinem Todesjahre erhielt die, bisherige Mudrichsgasse durch Kabinets-Ordre vom 2. Dezember den Namen Wadzeckstrasse verliehen. Für die Schiessgasse war bereits im Jahre 1835 der Name des verdienstvollen Stiidteiiltesten Wilhelm Keibel (f 18(i0) ohne Erfolg in Vorschlag gebracht worden. Ebenso 1857 die Benennung „Blücherstrasse“, als dieses Namens nicht entsprechend. Bald darauf wurde auch der Name des verstorbenen Oberbürgermeisters Bärensprung, ferner die Bezeichnung „Schulstrasse“, nach der von demselben veranlasston Gründung der Künigstädtisehen Realschule in der Schiessgasse, abgolehnt. Schliesslich erhielt durch Kabinets-Ordre des Prinzen von Preussen, d. d. London, den 24. Januar 1858, die Strasse den zuerst beantragten Namen.
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Wie ein Stück aus der Lagunenstadt mutet uns das ausgestellte Bild des „Grünen Grabens“ hinter dem llausvogtei-Platz an, da wo noch vor einigen Jahren ein gewölbter Ilausdurchgang zu der schmalen Fuss- gängerbriieke führte, über die man in die Taubenstrasse gelangte. Verfolgen wir den nun verflossenen Festungsgraben aus der Zeit des Grossen Kurfürsten. An der Singakademie vorüber bedeckte egyptische Finsternis das ohnehin schwarze Wasser dieses einstigen Schmerzenskindes unserer guten Vaterstadt; hoch und sicher war die von Kanalisationsröhren, Telegraphenkabcln und Rohrpostbehältern durchschnittene, hin und wieder auch durch Pfähle versperrte Wölbung. Endlich dämmerte halbmondförmig das Tageslicht herein: es war beim „Bulleuwinkel“ am Ende der Taubenstrasse, zu der die erwähnte Lauf brücke vom Hausvogtei-Platz führte. liier ragten die alten romantischen Bauten rechts und links und über dem Graben empor, dazwischen dichtbelaubte Baumkronen und darüber ein azurblauer Himmel sich wölbend. So war das Bild gestaltet, das sich dem Blicke darbot. Die Holzbauten an der Seite der Taubenstrasse gehörten teilweise zu den 28 Schlächterscharren,