Heft 
(1897) 6
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Altberlinische Statten.

einem Bogen über den Schlossplatz und in der Richtung des königlichen Schlosses bis zum Turm hart am Spreeufer hin.

Noch unbebaut lag die Brüderstrasse vom heutigen Schlossplatz bis zur Spreestrasse, und gegenüber bis zur Neumannsgasse (vordem Ileyses-Gässlein genannt), während der ältere Teil bis zum Petri-Platz bereits seinen Namen nach den Dominikanern oderschwarzen Brüdern führte. Erst nach Erhebung der Dominikanerkirche (auf dem Schloss­platz) zumNeuen Domstift, 14(59, erhielt diesem entsprechend der in­zwischen bebaute Teil die BenennungNach dem neuen Stift, bis dann zur Zeit des Grossen Kurfürsten der gemeinschaftliche Name Brüder­strasse eingeführt wurde.

Auf dem Grundstück Nr. 1, das ehedem noch an der alten Strassen- fluchtlinie lag und ein Eckgrundstück am Schlossplatz bis zur Stechbalm hin bildete, standen im l(i. Jahrhundert drei Häuser: dasjenige des Bürgermeisters Hans Brettschneider, des Bürgers Veit Mader und des Hofpredigers Magister Jeronimus (Hieronymus) Schwollen. Verweilen wir bei der denkwürdigen Stätte des letzteren.

Elisabeth, die Gemahlin Joachims 1.,- eine glühende Verehrerin Martin Luthers, deren grösstes Verlangen es war, offen zur reformierten Kirche überzutreten, musste sich ihrem streng katholischen Gemahl gegenüber die Erfüllung dieses W unsches versagen. So beschloss sie denn, insgeheim durch den Genuss des heiligen Abendmahls in beiderlei Gestalt von der katholischen Kirche sich loszusagen. Ein verkleideter Prediger der neuen Lehre vollzog die heilige Handlung in einem Gemach der Kurfürstin; doch erfuhr ihr Gemahl durch Verrat von diesemVer­brechen, wie er sich ausdrückte, das nur mit dem Tode gebimst werden könnte. Er soll mit Einkerkerung gedroht haben, und Elisabeth erhielt den strengen Befehl, ihre Gemächer nicht, zu verlassen. Dies brachte den Entschluss der Kurfürstiu zur Reife, aus dem Schlosse zu entweichen. Tn der Nacht des 25. März 1528 verliess sie mit ihrer Kammerfrau und geleitet von einem treuen Diener das Schloss durch dieWasserpforte, und entfloh auf einem bereit gehaltenen Bauernwagen nach der sächsischen Grenze. Dort wurde Elisabeth von ihrem vorher unterrichteten Bruder Christian von Dänemark erwartet und nach Torgau, seinem damaligen Aufenthalt geleitet. Sodann begab sie sich zu ihrer Mutter Bruder, dein Kurfürsten von Sachsen, welcher ihr das Schloss Lichtenburg unweit Wittenberg zum Wohnsitz anwies. Hier und in letzterer Stadt trat sie mit Luther in regen persönlichen Verkehr. Erst nach dem Tode ihres Gemahls (153o) kehrte Elisabeth auf Wunsch ihres Sohnes nach Berlin zurück; doch nicht wollte sie hier die Stätte wieder betreten, an die so schmerzliche Erinnerungen sich knüpften. Sie nahm daher ihren Aufent­halt in dem voi'erwähnten Hause des Magisters Schwollen, welcher dasselbe bis zu seinem am 8. Januar 15(53 erfolgten Tode besass.