Heft 
(1897) 6
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Altberlinische Stätten.

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Beim Regierungsantritt des Grossen Kurfürsten hatte die politische Laufbahn Schwarzenbergs aufgehört; in Ungnade gefallen, verstarb er am 4. März 1641 auf der Veste Spandau.*) Sein Palais erhielt zu­nächst der Geheimrat und Statthalter des Fürstentums Minden und der Grafschaft Ravensberg, Graf von Waldeck zum bewohnen. Tn gleicher Weise erhielt es demnächst der damalige Geheime und Lehnsrat Otto Freiherr von Schwerin, mittels Reskripts d. d. Königsberg, den 11. Oktober 1657 (Fidicin sagt irrtühmlich: im Jahre 1653). Und zwar sollte er eszu dem seinigen daran stossenden (No. 3) beziehen und sicli dessen zu besserer Accomodation im kurfürstlichen Dienste gebrauchen.

Zwei Jahre später eriiess dann Friedrich Wilhelm unterm 11. Oktober in seinem Hauptquartier zu Richtenberg ein Reskript, inhalts dessen ei­sernem nunmehrigen Ober-Präsidenten, Oberhofmeister Seiner hochge­liebten Gemahlin, Erbkämmerer der Churmark, Hauptmann zu Oranien­burg und Herrn zu Landsberg, Oldewigshagen und Drewitz, das ganze Haus an der Spree und in der Brüderstrasse samt allen Zubehörungen, Gärten, Räumen und Plätzen als ein Burgmannslehen verlieh. Nach Schwerins Tode besass es dessen Sohn, der Wirkliche Geheimrat und Erbkämmerer, bis zm Jahre 1698, in welchem Kurfürst Friedrich 111. das Besitztum für 16 000 Rtlilr. ankaufte.

Inzwischen war die alte Stadtmauer dem neuen Festungsbau des Grossen Kurfürsten gewichen, wodurch am Ende der Spreegasse, neben dem heutigen Eckhause No. 8, die kleine. Sackgasse entstand, die anfäng­lichBullengasse oderIm Bullenwinkel genannt wurde, jetzt aber mit ihren vier Häusern die BezeichnungAm Mühlengraben führt.

Der Mauerturm bei der Spreegasse diente zuletzt als Militär-Arrest­lokal, worin auch die sechs kurfürstlichen Trabanten arrestiert waren, von denen die Wendlandsohe Chronik berichtet, dass sie am 16. De­zember 1678 wegen Rebellion draussen am Galgen gehenkt und andern Tags begraben wurden.

Die Überreste dieses Turmes traten vor einigen Jahren bei den Kanalisationsarbeiten zu Tage. Der unterste Teil des Fundaments be­stand aus grossen erratischen Granitblöcken, über denen sich Mauer­werk aus Findlingen und Ziegelstein in Kalkmörtel und darüber reines Ziegelsteinmauerwerk befand.

Wie bereits erwähnt, hatte Kurfürst Friedrich HI. das alte Schwarzenbergsche Palais im Jahre 1698 vom Freiherrn von Schwerin angekauft.

*) Das Gerücht seiner heimlichen Enthauptung wurde durch denalten Heim widerlegt, welcher das Gerippe Schwarzenbergs untersuchte und den Halswirbel un­verletzt fand.