Heft 
(1897) 6
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Altberlinische Stätten.

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Hause belesenes Freihaus Uns überlassen, damit Wir solches mögen niederreissen lassen. Wir dagegen haben einen Theil von Unserm sogenannten Collegien-Hause, worin bisher das Kammer­gericht und Consistoriurn gehalten worden, welcher Theil von der Seite der Stechhalm an zu rechnen, bis an denjenigen Theil des Collegien-Hauses, den Wir bereits aus eben derselben bewe­gende n Ursa die an die Reichmannschen Erben allgetreten, in der Front 33 V 2 Fass, nebst dazu gehörigem Thorweg und Hofraum bis an die Spree, als ein Aequivalent hinwiederum tauschweise als ein Freihaus erb- und eigenthiimlich überlassen, damit wir solches mögen niederreissen lassen. Dahingegen sollte die Besitzerin, wie dies auch bei den übrigen Freihäusern vorgeschrieben war, beigrossen, zu Hofe vorkommenden Ausrichtungen, Zusprüchen oder Visiten, nach Proportion ein gewisses an Zinn- und Leinengeräthan und Betten herleihen oder die fremden Herrschaften logiren pp.

Dieser Kontrakt wurde dann unterm l(i. Oktober 1741 von Friedrich dem Grossen renoviert, konfirmiert und bestätigt.

Ein späterer Besitzer war der Kaufmann (Seidenhändler) Philippe Devrient, welcher es laut Vertrag vom 28. März 1798 für 21 5U0 Thlr. in Friedrichsdors, das Stück zu 5 Tlilr. nach dem Münzfuss vom Jahre 17(54, an den Schneidermeister G eorge Scha uss verkaufte, ln diesem Hause erblickte am. Dezember 1784, morgens 1 */s Uhr, Ludwig Devrient (der Sohn des Obengenannten) das Licht der Welt. Wenn be­hauptet wird, dass der unerreicht gebliebene Schauspieler, den man mit Recht als eine dämonische Natur bezeichnete, in dem Hause No. 19 der .Brüderstrasse geboren sei, woselbst sein Vater zu Ende des vorigen Jahrhunderts gewohnt, so ist diesbezüglich der Geburtsstätte Ludwigs nicht zutreffend. Wie angeführt, besass der Vater das Jlaus am Schloss­platz No. 1 bis zum Jahre 1798.

Zu Beginn der dreissiger Jahre befand sich in dem Devrientschen Laden die renommierte Kunsthandlung von George Gropius.

In dem Hause Brüderstrase No. 7 hatte Daniel Chodowiecki, der Peintre-Graveur, seine erste Wohnung bis zum Jahre 1777 in ne. Von hier, wo er die Hälfte seiner Schaffenszeit verlebt»*, begab er sich 073 nach Danzig, mn seine hochbetagte Mutter nach dreissigjährigem Zeitraum wiederzusehen.* Während dieser Besuchsreise entstand sein aus 108 Skizzenblättern bestehendes Reisetagebuch, das sich im Besitze der königl. Akademie der Künste befindet. Das erste dieser Blätter stellt des MeistersAbschied von Frau und Kind auf dem hoch­gewölbten Hausflur dar, wo das mit einem Mantelsack bepackte Pferd, auf dem er die Reise zurücklegte, bereits ungeduldig scharrt.

Mir wenden uns nun der Stechbahn zu, jener Häuserreihe, die nach 150jährigem Bestehen dem sogenantenRoten Schloss gewichen ist.