Heft 
(1897) 6
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Altberlinische Stätten.

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Ihr Werk ist ein Juwel; es haftet mir, bis sein Urheber sich mir näher offenbart.

So schrieb Moritz unterm 19. Juni an Jean Paul. Dieser ant­wortete aus Schwarzenbach, wo er ein Lehramt bekleidete, in einem langenwonnigen Briefe, dem er ein zweites Manuskript:Leben des vergnügten Schulmeisterleins Maria Wuz in Auethal als Anhang nach­schickte. Hierauf antwortete Moritz, dass der Buchhändler Matz­dorff (mit dessen Schwester er verlobt war) das Werk verlegen und ein Honorar von 100 Dukaten dafür zahlen werde; 30 erfolgten anbei. Überglücklich eilte Jean Paul zu seiner hochbetagten Mutter, welche als Predigerwittwe mit einem jährlichen Gnadengehalt von 12 fränki­schen Gulden in Hof ein ärmliches Stübchen bewohnte. Er traf sie noch spät abends am Spinnrade und schüttete ihr unter Thränen die Goldstücke in den Schoss. Am 21. März des folgenden Jahres (seinem Geburtstage) erhielt er das erste Exemplar seines Buches und äusserte in einem Dankschreiben an Moritz:Wenn ich am Ende des Jahres 1793 meine guten Tage überzähle, so werd ich anfangen: ich war erst­lich in Berlin. Doch erst sieben Jahre später traf er, von Weimar aus, in seinerGlückstadt ein, wie er Berlin nannte.

Inzwischen hatte durch das Erscheinen derUnsichtbaren Loge, derBlumen-, Frucht- und Dornenstücke oder Ehestand, Tod- und Hoch­zeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs in gewissem Sinne die beste Schöpfung des Dichters sowie des I. Bandes desTitan, welche sämtlich bei Matzdorff erschienen, der Enthusiasmus für den gefeierten Dichter auch in Berlin seinen Höhepunkt erreicht.

Ende Mai 18(X) traf Jean Paul hier ein und nahm Wohnung bei seinem gastlichen Verleger."')Seit zwei ein diittel Woche so schrieb der Dichter seinem Freunde Ottositz ich hier und muss noch die folgende bleiben, weil Iffland meinetwegen den Wallenstein geben will. Noch in keiner Stadt wurde ich mit dieser Idolatrie aufgenommen und von einem solchen Heere. Bei Matzdorf logire ich köstlich; seidene Stühle, Wachslichter, Erforscher jedes Wunsches, vier Zimmer zum Gebrauch. Der gelehrte Consistorialrath Zöllner und achtzig Menschen in der York-Loge zusammen meinetwegen Männer, Frauen und Töchter des Gelehrtenkreises. Viel Haare erbeutete ich ein Uhrband von dreier Schwestern Haar, und viele gab mein eigener Schädel her, so dass ich eben sowohl von dem leben wollte, wenn iclis verhandelte, was auf meiner Hirnschale wächst, als was unter ihr. Die herrliche Königin (Luise) lud mich brieflich nach Sanssouci ein und ich ass bei ihr; sie zeigte mir alles um dasselbe. Ich war öfters bei dem höchst gebildeten Minister v. Alvensieben endlich überall-

*) Sein Wohlthäter, Professor Moritz, war bereits 1793 verstorben.