Heft 
(1897) 6
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I. (6. aussorordl.t Versammlung des VI. Vereinsjahres.

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Pflanze gedeihen am Ramie noch die Papyrusstaude, das Zuckerrohr, der Reis und in Töpfen die Sienpttanze, welciie die Eigenschaft hat, bei der Berührung ihre Rlättchen zusammenzufalten und ihre Blattstiele herab- zusenken.

Das imposante Palmenhaus eröffnet uns die Vorstellung eines tropischen Urwaldes, ln der Mitte des Hauses fallen uns zunächst zwei Fächerpalmen von überraschenden Dimensionen auf, daneben stehen auch Fiederpalmen, deren Kronen das Dach berühren. Einer zweiten Pflanzenfamilie gehören die Pandanus-Arten an, die mit ihren Luftwurzeln wie auf Stelzen zu stehen scheinen. An der Westseite des Mittelbaues wachsen zwei Bambusen, welche uns von den tropischen Formen dieser Grasgruppe eine Vorstellung gewähren. Weiterhin sind noch zu er­wähnen der Katteebaum und die Sagopalme, endlich zwei kolossale Exemplare eines Säulenkaktus und mehrere prächtige Zapfenpalmen (Cycas), deren Mark zur Gewinnung einer Art Sago benutzt wird, während die Blätter 1 »ei Leichenbegängnissen als Palmen dienen.

Besondere. Aufmerksamkeit beansprucht das Orchideenhaus. Die hier beherbergten Pflanzen sind zum grössten Teil im Stande, von der Luft und deren Wassergehalt zu leben. Sie werden daher in Torfmoos kultiviert, teils in Töpfen, teils in lockeren, durchbrochenen Ivork- und Holzkästen, welche, von der Decke des Glashauses herabhängen. Von den ausländischen gewährt nur die Vanille dem Menschen Nutzen, die übrigen werden allein ihrer merkwürdigen Blüten wegen kultiviert. Allerdings giebt es auch keine zweite Pflanzenfamilie, deren Blüten so kostbare Farben, so zarte Gerüche und so abenteuerliche Gestalten bei ziemlicher Grösse aufzuweisen haben.

Das von uns zuletzt besuchte Haus ist für tropische Nutz­pflanzen eingerichtet worden. Die Pflanzen sind in Gruppen geteilt nach den Stollen, welche sie liefern, und die Schildchen geben über ihre Aufgabe Auskunft Wir machen hier auf den Kakaobaum, den Kaffee- baum, den Theestraueh, den Zimmtbamn, Pfefferstrauch, Chinabäume, Ölpalme, Gnimnibaum aufmerksam.

Beim Verlassen des Gartens durchschritten wir endlich noch grosse Gruppen von Gewächshauspflanzen, welche widmend des Sommers im freien Lande nach geographischen Gesichtspunkten ihre Aufstellung linden, und welche dazu dienen, das Bild von der Verbreitung der Pflanzen auf der Erde zu vervollständigen. Auf dem Rückweg passierten wir zunächst die Neuseeländische Gruppe. Es sind hauptsächlich Holz­gewächse und Bamnfarne, daneben ist der neuseeländische Flachs, eine wichtige Gespinstpflanze, zu neunen. Die Australische Gruppe zeichnet sieh aus durch eine doppelte Vegetation. Im Westen spielt die Formation derScrubs eine grosse Rolle; es sind dies fast undurchdringliche Buschwälder aus klein- und schmalblättrigen Gewächsen, und nur die

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