7.( 5. ausserordl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
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Die verlassenen Heimstätten der Germanen wurden von den Slaven in Besitz genommen und auch um diesen hochgelegenen Punkt der Havellandschaft herum siedelten sich Einwanderer aus dem Stamme der Wilzen an. Hoch oben auf der Kuppe des Berges wurde eine Kultusstätte zu Ehren des Kriegsgottes Gero wit angelegt, während der Werder in der Havel durch Pfahlwerk und Steinpackungen zu einem festen Eiland umgeschaffen und daselbst unter dem Schutze der Bergfeste eine Ansiedlung begründet wurde.
Zwei Jahrhunderte hindurch lebten die neuen Bewohner ungestört an den Ufern der Havel und gingen ruhig ihren friedlichen Beschäftigungen, der Jagd und dem Fischfang, dem Ackerbau und der Bienenzucht nach, nur zuweilen wurden sie durch Fehden einzelner Stämme untereinander aus ihrer Ruhe aufgerüttelt. Aber schon gegen Ende des 8. Jahrhunderts drang die Kunde von den siegreichen Zügen des grossen Frankenkais ers weithin durch die wendischen Gaue und veranlasste die Wenden, ihre Westgrenze, welche durch den Lauf der Havel gekennzeichnet wurde, an den schwächeren Punkten stärker zu befestigen. Obwohl die Havel in jener Zeit mit ihren ausgedehnten Sumpfgebieten, deren Spuren ja heute noch in den Verzweigungen des Havelländischen Luchs zu erkennen sind, eine fast unüberschreitbare Grenzscheide bildete, gab es doch einige schwache Punkte, wo die Ausläufer niedriger Hügelketten das Havelbett einengten und den Übergang erleichterten, so bei Brandenburg , Plaue , Pritzerbe , Rathenow und Havelberg . Diese strategisch wichtigen Punkte wurden nun im Anfang des 9. Jahrhunderts durch mehr oder minder starke Befestigungen geschützt, andere weniger gefährdete Punkte der Grenzlinie durch wallartige Aufwürfe gesichert, wie beispielsweise bei Döberitz , Gülpe und Jederitz , wo sich die Spuren derartiger Burgwälle noch jetzt finden.
sib Auch das Heiligtum des Gerowit auf dem Havelberge wurde durch starke Mauern befestigt, um den Bewohnern der Ansiedlung unten auf dem Werder und am Abhange des Burgberges, dem sogenannten Wendenberg, bei einem plötzlichen Überfall Zuflucht und Schutz zu gewähren. War der Ort durch die beiden Flussläufe, Elbe und Havel , welche sich etwa eine Stunde nordwestlich von Havelberg vereinigen, und durch Sümpfe und ausgedehnte Lachen geschützt, so zeigte doch das Schicksal der gleichfalls durch Wasser und Sumpf gesicherten Burg Branibor , welche Kaiser Heinrich I. 928, mitten im Winter, eroberte, als strenger Frost eine Brücke über das sumpfige Gelände geschlagen hatte, dass dieser natürliche Schutz dem kühnen Wagemut der christlichen Eroberer gegenüber nichts nützte. Und sicher vor feindlichen Einfällen waren die Bewohner auf dem Werder bei Havelberg nicht mehr. Schon Markgraf Bernhard hatte 929 bei Wallislewo, dem heutigen Wallsleben, und bei Lunkini, dem heutigen Lenzeu, vielleicht eine Tagereise von