Heft 
(1897) 6
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7.( 5. ausserordl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.

en Bischof Otto von Bamberg versuchte sofort, vom heiligen Eifer erfüllt, die Bekehrung der Wenden anzubahnen, und es gelang ihm auch, sie zur Annahme des Christentums geneigt zu machen, indem er ver­sprach, ihnen einen frommen und duldsamen Geistlichen als Verwalter des Bistums zu senden. Der neuernannte Bischof Anselm, ein glaubens­eifriger und energischer Prämonstratenser aus der Schule Erzbischofs Norberts von Magdeburg, wollte indes von Duldsamkeit nichts wissen und veranlasste den Kaiser Lothar, im Jahre 1132 einen Kriegszug gegen die Wenden des nördlichen Landes zu unternehmen. Dieser Zug hatte den gewünschten Erfolg, Havelberg wurde erobert, Witikind ver­trieben, seine Unterthanen zum Gehorsam gezwungen und das Bistum wiederhergestellt. Bischof Anselm begann sogleich den Bau einer neuen steinernen Kirche. Diese wurde aber vor ihrer Vollendung, während der Bischof 1136 als kaiserlicher Gesandter in Konstantinopel weilte, von den Söhnen Witikinds, die sich empört und Havelberg erobert hatten, wieder zerstört und der wendische Götze an Stelle des Kreuzes Christi wieder aufgerichtet. Zwar unternahm Albrecht der Bär im folgenden Jahre 1137 einen Rachezug gegen die Slaven und vertrieb die Söhne Witikinds aus Havelberg, seine Fehde mit den sächsischen Fürsten hinderte ihn aber, seine Siege erfolgreich auszunutzen, und erst 1144 konnte Anselm es wagen, dauernd seinen Wohnsitz in Havelberg auf­zuschlagen und ein ständiges Domkapitel zu gründen. Der Bau der Kirche und der Stiftsgebäude schritt nun rüstig vorwärts. Bereits 1148 konnte in einer Kapelle der im Bau begriffenen Kathedrale eine bedeut­same Handlung, die Taufe des Pommernfürsten Ratibor vorgenommen werden, 1169 wurde der Bau vollendet und 1170 in Gegenwart Albrechts des Bären und vieler anderer Fürsten und Prälaten vom Erzbischof Wichmann von Magdeburg feierlich eingeweiht. Bischof Anselm, der den Besitzstand seines Bistums nach Kräften gesichert und durch An­siedlung niederländischer Kolonisten in seinem Sprengel segensreich gewirkt hatte, erlebte die Vollendung seines Werkes nicht mehr. Im Jahre 1154 war er als Erzbischof nach Ravenna berufen worden und hatte bereits 1158 das Zeitliche gesegnet.

Die bischöfliche Stiftskirche, welche die fleissigen Prämon­stratensermönche in mehr als zwanzigjähriger Arbeit erbauten, war eine mächtige, dreischiffige Basilika im Rundbogenstil. Die Seitenschiffe, deren Grundmauern zum Teil heute noch stehen, und vermutlich auch das Mittelschiff, waren an der Ostseite gerade geschlossen; die von kreuz­förmigen Pfeilern getragene Decke des Hauptschiffes war eine einfache Balkendecke. Der Westturm war aus Hausteinen breit und massig an­gelegt und hauptsächlich zur Verteidigung bestimmt, ein mit drei kleinen Rundbogenfenstern gezierter Backsteinaufsatz nahm die Glocken auf. Die Westseite hat sich ziemlich unverändert erhalten. Noch heute streckt