7.( 5. ausserordl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
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Die steinerne Domtreppe, die alte Scharre", hinab begaben sich die Mitglieder über die Laufbrücke noch der eigentlichen Stadt Havelberg, auf dem Werder in der Havel. Der Stadtteil auf der Anhöhe am rechten Ufer des Flusses wurde erst 1876 dem Gemeindebezirk von Havelberg einverleibt; früher bestanden daselbst sieben selbständige Gemeinden:
Die Gemeinde Dom- Havelberg nebst der Domäne Wöplitz, Die Gem. Saldernberg
Die Gem. Köperberg( jetzt Mittelstrasse),
Die Gem. Neuberg
Die Gem. Wendeberg mit Heinottenberg
Weinbergstr.),
Die Gem. Schönberg( j. Untere Havelstrasse), Die Gem. Sperlingsberg( j. Obere Havelstrasse).
In der Inselstadt wurde der Stadtkirche, welche dem Heiligen Laurentius geweiht ist, ein Besuch abgestattet. Herr Oberpfarrer Jacob gab hier einen kurzen Überblick über die Geschichte des Gotteshauses und erklärte die Denkmäler derselben.
Die Stadtkirche ist ein stattlicher Backsteinbau aus dem Ende des 13. Jahrhunderts mit dreischiffigem Langhaus und polygon geschlossenem Chor, welcher schon äusserlich durch ein niedrigeres Dach erkennbar ist. Der massive Turm an der Westseite trägt eine welsche Haube und zeigt, neben dem reich gegliederten Portal eingemauert, ein einfaches Memorienkreuz und eine Steintafel von 1459, mit der Kreuzigung, unter welcher der knieende Donator dargestellt ist. Ihre jetzige Gestalt erhielt die Pfarrkirche durch einen um die Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgten Umbau, bei welchem mehrere Teile der Umfassungsmauern, sowie viele Strebepfeiler und der obere Teil des Turmes erneuert werden mussten. Das Jnnere wurde 1854 völlig ausgebaut und dabei die gerade Decke in ein Kreuzgewölbe umgewandelt, auch die innere Ausstattung würdig renoviert.
Von den in der Kirche befindlichen Grabsteinen ist der eines im Jahres 1537 verstorbenen Herrn von der Schulenburg, rechts vom Hochaltar, wegen seiner Ausführung bemerkenswert. Er zeigt den bärtigen Ritter in voller Rüstung, die linke Hand auf dem Schwertgriff, neben ihm in langem Gewande seine Ehefrau mit Haube und Halskrause und am Fusse die Kinder des Ehepaares, sieben Knaben und zwei Mädchen, in absteigender Grösse. Ferner an der südlichen Wand der Kirche der in Farben restaurierte Stein des im Jahre 1559 verschiedenen Bürgers Hovemann mit den Gestalten des Ehepaares und seiner vier Kinder, sowie der gut gearbeitete Grabstein des Handelsherrn Jacob Rodatz ( † 1759) mit sinniger Inschrift. Der Kuriosität halber seien hier einige
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