w. v. Schulenburg, Altertümer aus dem Kreise Teltow.
Falle Wert, du-zig (kurzes u) für dumm, und ebenso Nu-że (kurzes u) für Nase. Frauen in Berlin hörte ich kleine Kinder mit dem beständig wiederholten „bu-że, bu-że“ einwiegen. Es wird deshall) das ż, das hier im deutschen Volksmunde auftritt, zum Teil wenigstens, ausdem Slavischen herstammen. Beiläufig bemerkt, spricht man hier auch neu- schierich statt neugierig, wie ich, früher, in Hinterpommern im Rügen- walder Bezirk abwechselnd Jarmund und Żarmund hörte u. d. m. Wenigstens ein älterer märkischer Schriftsteller schrieb Hirsche. Herr Geheimrat Friedel hat seiner gedacht im Anschluss an den Vortrag des Herrn Professor Ascherson über die Bluthirse in der Mark. Ich vermute, dass die Leute früher, wenigstens hier und da, Hirże sprachen, und nicht Hirsche. Wenn es nicht geschrieben wurde, mag es daran liegen, dass man, wie früher überhaupt, das Volkstümliche besonderer Beachtung nicht für wert hielt, oder den Unterschied zwischen sch und ż nicht heraushörte, oder aber, weil man kein entsprechendes Bnchstabenzeichen hatte. Für wissenschaftliche Zeitschriften bei uns ist die Einführung des Buchstaben ż durchaus notwendig. Er ist schon seit langer Zeit üblich in der wendischen Bauernschrift der Lausitz. Es ist doch zu umständlich, jedesmal auf die Aussprache des j im Französischen hinzuweisen. In seiner Abhandlung über die Mundart des Kreises Guben*) verzeichnet Herr Dr. Kupka Hirsche für Hirse. Auf Anfrage teilte mir Herr Gander mit, dass sowohl in Guben selbst, in der Crossener Vorstadt wie in der Werdervorstadt, und auch nördlich von Guben, z. B. in Coschen, Hirże gesprochen wird.
Ein jetzt 85 Jahre alter Greis, Grossvater Schulze, noch vor kurzem eine lebende „Chronik“ dieser Gegend, dessen Erinnerungen leider nicht niedergeschrieben wurden, sagte mir vor einigen Jahren, dass der Hirseberg früher zum Lehnschulzengute in Gadsdorf gehörte und die Nutz- niesser jährlich einen Scheffel Hirse dafür geben mussten, wie heute „Rente“. Im vorigen Jahr war sein Gedächtnis bereits erloschen und er wusste nichts mehr davon. Thatsache ist, dass der Hirseberg früher beackert wurde an den Seiten, nur die Höhe war bewaldet, und man Hirse und Buchweizengrütze dort baute. Jetzt habe ich Hirse und Buchweizengrütze hier nirgends mehr gesehen; Buchweizen nur noch als Grünfutter im Herbst für das Vieh.
Hinter dem Hirseberg dehnt sich eine weite Sumpfwiese aus, die auf drei Seiten den Höllenberg umfasst. Sie hat in ihren verschiedenen Teilen verschiedene Namen. Meist wird sie schlechtweg unter einem ihrer Teilnamen „die Fulesei, die faule See“, auch Fäulensee vereinzelt, genannt. Sie liegt 124 Fuss über Meer. Ein Blick auf diesen Wiesen- grund lehrt, dass hier einst ein langgedehnter See war, auch zeigt es
) Niederlausitzer Mitteilungen. III. 37 p