Heft 
(1897) 6
Seite
189
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K. Altrichter, Die Glockeninschriften von Sternebeck und Tempelhof. 189

hervortretende Ausbauchung und den auf der rechten Seite aufsteigenden schrägen Strich mit der knopfartigen Verdickung oben als führend an­gegeben. Das dadurch angedeutete o ist überaus klein und soll augen­scheinlich nur erläuternd eine Endung in Bezug auf das o in Figur 3 und damit einen Zusammenhang zwischen Figur 3 und 4 andeuten. Das L ist in den römischen Ziffern das Zeichen für 50 und das o weist auf eine Ordnungs - Zald in Verbindung mit anno. Ich lese anno quinquagesimo.

Figur 5 zeigt rechts unten keinen Ansatz, ihr Innenraum ist unten eben, oben gerundet. Der Dorn rechts oben ist der Schlüssel zu dem zweiten damit verbundenen Schriftzeichen. Ich lese darin eine Ver­bindung von d und i.

Figur b erschien wieder sehr schwierig, indem links oben eine Er- weitung erscheint, für welche ohne weiteres keine Erklärung zu erbringen ist, so weit man eine Absicht zum Grunde legen will. Die ungeschickte Form könnte aber dafür sprechen, dass hier eine ungewollte Erweiterung entstand, vielleicht, indem beim oder richtiger nach dem Eingraben der Figur in die Formmasse unbemerkt sich ein Stück derselben herauslöste und niederfiel. Es wäre auch denkbar, dass beim Einschneiden der C-Rundung schon ein Scherben der Masse gelockert wurde, der dann durch seine eigene Schwere sich löste und herabfiel. Der Hohlraum im Inneren der Figur b zeigt links eine Rundung wie das C in Figur 2, während die Umgrenzung rechts geradlinig ist; ausserdem tritt in der Grundlinie ein flacher Bogen nach unten hervor. Ich trug kein Be­denken, unter Benutzung der eben erwähnten Merkmale ein C in die Figur hinein zu zeichnen. Es bleibt dann, abgesehen von der eben erklärten Erweiterung, links oben eine dünne Vertikallinie übrig, die oben einen kurzen, unten einen sehr langen Balken als Abschluss hat; mithin die Grundform des L.

Wenn man nun von dem Vorliegen einer Zufälligkeit hinsichtlich der oben gedachten Verdickung sich nicht überzeugen kann und ich selbst vermag das nicht recht mit Rücksicht auf die von den alten Meistern angewendete Sorgfalt, die wohl alsbald eine Ausbesserung her­beigeführt hätte, und berücksichtigt, dass im Mittelalter die Schreibweise in der lateinischen Sprache doch manche Vergewaltigung erfuhr, ich erinnere nur an die Endung e statt ae, so könnte man, wenn man den nach links geöffneten Bogen als die Linie eines umgedreht gestellten c ansehen will, hier die Wiederholung des c erblicken und zwar in der Absicht des Schreibers, dieses c hintenanzustellen. Zuweilen deutet nämlich die Umkehrung auf den Wunsch hin, den umgekehrten Buch­staben zu versetzen. Ergänzt würde dies Verlangen noch durch den unteren Balken des L, der erkennbar nach links weiter als nach rechts geht. In dieser Verlängerung nach ungewöhnlicher Richtung erblicke