Heft 
(1897) 6
Seite
190
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190 K. Altrichter, Die Glockeninschriften von Sternebeck und Tempelhof.

. ich den Schlüssel zur Lösung des Zeichens. Die Lesung würde sonach so zu erfolgen haben, dass zunächst das weisse C erscheint, dann das L, welches durch seine Umstellung auf das umgekehrte C hinweist und dieses gewissermassen herumholt, so dass man Clc zu lesen hätte.

Derartige und in dieser Absicht ausgeführte Verstellungen kommen in ganz ähnlicher Weise in der Taufbrunneuinschrift der St. Johannis­kirche zu Thorn vor, nur dass dort die Sache noch verwickelter ist und der Inschriftanfertiger einen unverkennbaren Schlüssel beigab.

In Figur 7 ist die Verbindung eines a mit einem anderen Huch­staben unverkennbar. Hier bin ich nun bei dem Punkte angelangt, der mich veranlasste, die beiden vorliegenden Inschriften in ein und der­selben Arbeit zu behandeln, einmal, weil hier ein ungewöhnliches Zeichen erscheint, das an der anderen Stelle unverkennbar auch vor­handen ist und zum anderen, weil der Gebrauch derselben Form auf eine räumlich nicht sehr verschiedene Zeit der Herstellung schlossen lässt.

In der Sternebecker Inschrift habe ich bei Figur 24 und 31 auf die e-Fonn hingewiesen, welche vom c sicli nur dadurch unterscheidet, dass die Schenkel im Winkel nach rechts gehen, während die des c dies im Bogen thun, so dass ein Halbmond entsteht. Hier in Figur 7 gehen die Schenkel gleichfalls im Winkel nach rechts und die so gebildete Figur zeigt im wesentlichen nicht nur die e-Form der Sternebecker In­schrift, sie steht auch in demselben Gegensätze wie dort zu der hier auftretenden c-Form. Figur 8 könnte man lediglich als t ansprechen, indessen kann die Entwickelung der Grundlinie nach rechts nicht über­sehen werden, namentlich, da die erkennbare Verdickung rechts am Fusse darauf hinweist, dass hier noch ein ferneres Schriftzeichen beteiligt sei. Der Form nach kann dies nur ein 1 sein.

In der dritten Zeile habe ich die einzelnen Figuren 28 auseinander gezogen dargestellt.

Ich lese dieselben wie folgt:

Sacrata (sc. campanula) anno Lo (quinquagesimo) Dei clemencia aedificati ternpli. Geweiht im 50. Jahre, nachdem durch Gottes Gnade der Tempel erbaut war.

Hier ist nun nicht der Glockengiesser, wold aber der Stifter, «1er Johanniterorden, durch die beiden Kreuze benannt.

Das ist eine recht sonderbare Inschrift in Bezug auf die Zeit­bestimmung, kann man mit Recht einwerfen und doch ist diese Inschrift nicht so unwesentlich für die Zeitbestimmung. A. von Winterfeld schreibt in seinerGeschichte des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem auf S. 045:Die Tempelherren hatten bei ihrer Ausbreitung in den Marken bedeutend mehr Glück als die Johanniter,