Heft 
(1897) 6
Seite
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K. Altrichter, Der Rosentlialer Gold- und Silberfund.

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Dies Ergebnis deckt sich dann auch mit der Zeitschätzung, die Herr Custos Buchholz in seinem Bericht vom 9. Dezember 18% ge­macht hat.

Diese geschichtliche Abschweifung erschien mir notwendig sowohl zur Unterstützung meiner Lesung der Tempelhofer Inschrift, als auch zur annäherden Feststellung der Zeit der Entstehung beider Inschriften.

Der Rosenthaler Gold- und Silberfund.

Archäologische Studie

unter Berücksichtigung der Untersuchungen der Herren E. Friedei und Max Bartels

von K. Altrichter.

Tafel II.

Vorwort.

Im Jahre 1890 wurden bei Gelegenheit der Herstellung von Riesel­feldern auf dem der Stadt Berlin gehörigen Gute Rosenthal augenschein­lich vorgeschichtliche germanische Gräber aufgedeckt. Leider ist dabei nicht mit der nötigen Vorsicht und Umsicht vorgegangen worden, sodass als kulturgeschichtliche Funde nur ein mit einem Öhr versehener Gold- brakteat und eine silberne Fibelplatte auf uns gekommen sind.

In der Sitzung der anthropologischen Gesellschaft zu Berlin vom 25. Oktober 1890 hat Herr Geheimer Regierungs-Rat Friedei diese Stücke vorgelegt und über den Fund eingehender berichtet, während Herr Sanitätsrat Dr. Bartels das Ergebnis seiner Studien hinsichts des Brakteaten in einem eingehenderen Vortrage kundgegeben hat.

Den Fundbericht habe ich, soweit er hier interessiert, wörtlich aufgenommen.

Die Gestalt der Fibelplatte stellt eine Pflanzenform sicherlich nicht dar. Sollte es ein Tier sein, so vermisse ich in der Friedelschen Aus­lassung jede Andeutung darüber.

Den allgemeinen Ausführungen des Dr. Bartels bezüglich der Brak­teaten ist unbedingt beizupflichten. Was er hinsichtlich der ein­zelnen Figuren des vorliegenden sagt, halte ich aber für bedenklich. Er kommt zu dem Ergebnis, dass in den bildlichen Darstellungen des Brakteaten der Niedergang dieser Art bildender Kunst zu finden sei,