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K. Altrichter, Der Rosenthaler Gold- und Silberfund.
indem verständnislos unzusammenhängende Teile eines früher klar und unverkennbar dargestellten Gegenstandes zusammengebracht seien. Dies Ergebnis will umsoweniger einleuchtend sein, als diese Behauptung sich lediglich auf die Deutung selber stützt. Eine Deutung ist eine Hypothese und eine solche kann niemals Beweismittel sein. .Feder Beweis muss auf mehr oder weniger positiver Grundlage ruhen und das sind in erster Linie Thatsachen.
Diese Bemerkung in Verbindung mit der im ganzen recht gesuchten Erklärung der einzelnen Figuren veranlasst** mich, mich mit dem ganzen Funde eingehender zu beschäftigen, der schon vorher mein lebhaftes Interesse erregt hatte.
Das Ergebnis meiner Studien enthalten die nachfolgenden Blätter, denen ich zur Erklärung eine Tafel mit erläuternden Entwickelungen sowohl von unten her nach dem Entersuehungsobjekt zu, als auch darüber hinaus zur Probe auf das Exempel beigegeben habe.
ln der nicht unberechtigten Hoffnung, dass ich in diesem Hefte wenigstens einige Anregungen gegeben halte, die der Weiterentwickelung von berufener Seite wert erscheinen möchten, übergelte ich dasselbe hiermit einer wohlwollenden Öffentlichkeit.
Berlin, den 28. Februar 1897.
K. Altrichter.
I.
Fundbericht.
(Nach Seite 518 der Verhandlungen der Anthropologischen Gesellschaft zu Berlin
vom Jahre 1890).
Auf dem zu Berieselungszwecken seitens der Stadt Berlin angekauften, eine Meile nordwestlich von Berlin gelegenen Gute Rosenthal wurden im Sommer 1890 Planierungsarbeiten ausgeführt. Tn der Gegend des Weges von Rosenthal nach Franz. Buchholz, 700 in westlich vom Kreuzpunkt dieses Weges und der Strasse Niederschönhausen-Blankenfelde, wurden hierbei am 5. August 1890 einige vorgeschichtliche Funde gemacht:
a) 800 Schritte nördlich von dem Wege, auf der Spitze eines kleinen flachen Anberges, fand sich in der Erde eine in mehrere Stücke zerbrochene vorgeschichtliche Mühle, bestehend aus zwei rundlichscheibenförmigen Steinen von 40 cm Durchmesser. Die obere dünnere Scheibe hatte in der Mitte ein durchgehendes Loch von 9 cm Durchmesser, welchem ein nur 4 cm tief in die untere Scheibe konisch eingearbeitetes Loch entspricht. Die ganze Mühle zeigte an der Abreibung