Heft 
(1897) 6
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K. Altrichter, Der Itosenthaler Gold- und Silberfund.

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der Flächen sowohl, wie des centralen Loches*), dass sie sehr lange Zeit in Gebrauch gewesen ist. Diese zwei Mühlsteine unterscheiden sich auffällig von denjenigen, die unter den Wenden der Zeit vom 0. bis 12. Jahrhundert üblich waren und welche aus flachen, meist rundlichen Scheiben bestehen, die nicht selten oben und unten bearbeitet, häutig auch bis zu dünnen Platten abgearbeitet sind. Die vorliegenden, nach nordgennanischer Art hergerichteten Mühlsteine sind viel höher und dicker, mehr rundlich an den Aussenseiten und ähneln denen, die in Schweden, Dänemark, unter den Angeln, Friesen und Niedersachsen der jüngsten heidnischen Zeit Vorkommen.

b) Südlich von eben diesem Wege, nur 30 Schritte von demselben entfernt, wurden einige Urnenscheiben beachtet und aufbewahrt, w'elche die Thontechnik der germanischen Zeit zeigen, was dadurch bestätigt wird, dass mehrere Scherben tiefe geradlinige Einschnitte, wie sie bei den Slaven fehlen, als ein rohes lineares Ornament zeigen.

c) Ungefähr 100 Schritte südwestlich von derselben Stelle (b) fanden sich, 1,20 m tief, in Abständen von 4(i in, 3 einzelne mensch­liche Gerippe. Das zuerst gefundene war sehr morsch und wurde un­beachtet mit der Erde fortgeräumt, so dass es nicht mehr wieder­zufinden ist. Das zw'eite war ebenfalls sehr zerfallen, die Knochen liess der Bauführer jedoch sammeln und aufbewahren. Am linken und am benachbarten rechten Oberschenkelknochen fanden sich Grünspahnspuren, eine llindeutuug, dass hier Bronzegegenstände gelegen haben. Nach llrn. Sanitätsrat Dr. Bartels ist dies zweite Gerippe weiblicher Her­kunft. Es spricht dafür der Winkel, welchen beiderseits, besonders rechts, der Schenkelhals mit dem Schaft des Schenkels bildet, ferner die verhältnismässige Breite des Kreuzbeins und des Beckens, die Schlank­heit der Oberarme, die Kleinheit der Schulterblätter und ganz besonders die Zierlichkeit des Schlüsselbeins. An den Oberarmen bekunden stark entwickelte Knochenvorsprünge, den Ansatzstellen der Muskeln ent­sprechend, eine kräftige Ausbildung der Armmuskulatur, so dass die Arme wahrscheinlich zu anstrengender Arbeit benutzt worden waren. Von dem defekten Schädel lässt sich wenigstens negativ aussagen, dass er nicht zu den Kurzköpfen zu rechnen ist.

Als noch ein drittes Skelet zum Vorschein kam und der leitende Baumeister davon erfuhr, ordnete derselbe an, dass dieses Gerippe unbe­rührt gelassen und der Erdkegel stehen bleiben solle, bis das Märkische Museum benachrichtigt sei und dieses eine sachkundige Untersuchung

*) Das durchgehende Loch ist überall an dieser Art Mühlen weiter als das des unteren Steines, welches bestimmt ist, die Welle für den oberen Stein auf­zunehmen; es ist auch mehr oder weniger trichterartig gestaltet, weil es zur Aufnahme der Körner bestimmt war. Durch die Drehung des Obersteins wurden diese zwischen die Steine gewälzt und dort geschroten. Anm. des Verfassers.