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K. Altrichter, Der Rosenthaler Gold- und Silberfund.
vorgenommen habe. Zwei Metallstückchen, welche in der zuerst angegebenen Brustgegend des Skelets von den Arbeitern getänden waren, wurden mit an das Museum gesandt. Diese beiden Metallstückchen erschienen im Museum von solcher Wichtigkeit, dass sofort ein Lokaltermin mit dem leitenden Baumeister verabredet wurde. Herr Custos Buchholz berichtet hierüber folgendes: Als er mit dem Baumeister dort ankam, war der Erdkegel samt dem darin befindlich gewesenen Skelet gänzlich verschwunden. Die Arbeiter sagten aus, am Tage vorher wäre der Amtsvorsteher aus Schildow mit dem Gendarm und dem Amtsdiener dort erschienen, hätte das Gerippe ausgegraben und, nachdem er daran nichts Verdächtiges erkannt, die sofortige Wiedervergrabung durch die Arbeiter, und zwar 1,5 m tief angeordnet. Da der ganze Boden auf 1,5—2 m abgegraben, auch einige der bei der Wiedervergrabung beschäftigt gewesenen Arbeiter nicht mehr zur Stelle waren, so konnten die Arbeiter nur ungefähr die Gegend angeben, wo das Gerippe liegen könne, einen bestimmten Anhalt dafür hatten sie nicht. Hiernach wurden noch 25 qm in einer Tiefe von 1,5 m durchgegraben, ohne dass das Gerippe wieder zum Vorschein kam, und die Arbeit musste endlich aufgegeben werden. Weitere Skelette haben, dies kann bestimmt ausgesagt werden, in der Nachbarschaft nicht mehr gelegen.
Was nun die beiden Metallstücke betrifft, so ist das eine ein durch einen geperlten Ring um den Rand verstärkter und mit einem Hängeöhr versehener goldener Brakteat von 2 cm Durchmesser mit dem aus Figur 5 ersichtlichen Gepräge . . . Das zweite Metallstück war 4,8 cm lang, auf einem Ende 2, auf dem andern 1,5 cm breit und gänzlich mit grünlichem körnigen Rost, auf der unteren Seite auch mit Spuren von Eisenrost bedeckt, so dass es als der Bügel einer Bronzefibula erschien ...
Hier breche ich den Bericht ab, um später an anderer Stelle darauf zurückzukommen; aus dem Bericht des Herrn Bartels werde ich die die Momente herausgreifen, die einer besonderen Beleuchtung und Erörterung bedürfen. Vorläufig genügt das Mitgeteilte zu einem allgemeinen Überblicke.
II.
Der Goldbrakteat.
Um ein möglichst klares Bild der auf der sehr kleinen Fläche durcheinander laufenden Linien zu gewinnen, zeichnete ich zunächst in Figur 6 eine mehrfache Vergrösserung der inneren Fläche des Brakteaten. Schon hierbei ergab sich, dass augenscheinlich in einer bestimmten Absicht das Öhr an einer Stelle angelötet war, die beim Niederhängen des Brakteaten die Darstellung verschob, so dass ihr Inhalt nicht ohne weiteres erkennbar war. Eine gewisse Symmetrie, die durch die Bogenlinie e b a mit ihren gewinkelten Ansätzen gegenüber dem gerade