Heft 
(1897) 6
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K. Altrichter, Der Rosenthaler Gold- und Silberfund.

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darüber sitzenden Öhr angedeutet ist, in Verbindung mit der horizontal darüber liegenden Figur f ist allerdings geeignet zu übersehen, dass die senkrecht zu stellende Linie a b eine Ilauptrichtung darstellt, die in Beziehung zu der fast horizontal verlaufenden Linie e b c steht. Diese Linien, welche die llauptrichtungen jeder einfacheren bildlichen Dar­stellung angeben, sind nun mit ihren Erweiterungen in der Tliat die llauptliguren, während die übrigen Linien und Figuren mehr oder weniger begleitende und erklärende Umstände vorstellen. Ich habe deshalb dieser Beobachtung entsprechend die Vergrösserung um einige Grade nach links herumgedreht und so die Grundlage für eine einfache und natürliche Erklärung des Ganzen gewonnen.

Mit llrn. Bartels stimme icli durchaus darin überein, dass man es liier mit einer Darstellung aus der Siegfried-Sage zu tliun hat; auch dass der von ihm angegebene Moment daraus festgehalten ist; endlich auch darin, dass die Herstellung einer jüngeren Zeit angehört als der sonst vielfach aufgefundener Brakteaten, aber nicht darin, dass man es liier mit einemEndprodukt der Rohheit zu tliun hat. Denn alles das, was er von diesen Erscheinungen als Eigentümlichkeit anführt, indem er sagt:Es macht den Eindruck, als wenn die ungeschickten, ver- zeichneten Nachbildungen eines guten Vorbildes von immer un­geschickteren Händen kopiert worden seien, bis es endlich nur noch mit einer gewissen Anstrengung möglich ist, mit Sicherheit darüber ins Klare zu kommen, was von dem Künstler eigentlich gemeint worden ist findet sich in dieser Darstellung nichts; eher könnte man auf den Gedanken kommen, man habe eine Darstellug aus der frühesten Epoche dieser Kunst vor Augen. Dass dies Letztere nicht der Fall, werde ich später nachzuweisen versuchen und doch besteht ein Zusammenhang mit dieser frühesten Epoche, er ist aber künstlich zu einem Zwecke, der uns noch beschäftigen wird, hergestellt.

Zunächst wiederhole ich, was Herr Bartels S. 521 a. a. O. sagt, nachdem er die Darstellungen auf den Brakteaten in 4 Gruppen geordnet und auf vorkonnnende Verzeichnungen und Verundeutlichungen in den Figuren hingewiesen hat:

Bei diesen allerrohesten Kunstprodukten ist nun natürlicherweise der Phantasie des Betrachtenden ein sehr weiter Spielraum gelassen: denn aus solchen scheinbar unregelmässig über die Bildfläehe verteilten Strichen und Punkten kann man alles Mögliche herausdeuten und heraus­lesen. Es scheint mir aber gerade für die Deutung der Zeichnungen auf den Goldbrakteaten als unumstössliche Regel*) festgehalten werden

*) Die hier aufgestellte Regel dürfte weder unumstösslich, noch richtig sein. Ich glaube nicht fehl zu greifen, wenn ich behaupte, dass man hei dieser Reihenfolge der Untersuchung leicht, von den herangezogenen Vorbildern beeinflusst, zu falschen Schlüssen geführt werden kann. Ich halte es für richtiger, ohne jeden Seitenblick

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