K. Altrichter, Der Rosentlialer Gold- und Silberfund.
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beziehen, aus Gruppen von Punkten und offenen Dreiecken, aus einer Zickzacklinie und einem Hakenkreuz.
Vergleichen wir nun mit diesen Darstellungen den Brakteaten von Rosenthal, so müssen wir in dem rundlinigen grossen Dreieck den Kopf, in dem eingeschlossenen kleinen Dreieck das, wie so oft auf solchen rohen Brakteaten, übermässig grosse Auge*) erkennen; der senkrecht unten von dem grossen Dreieck abgehende Strich ist der Rumpf, und die sich unten an ihn ansetzenden schrägen Linien bedeuten die Oberschenkel, deren Kniegelenkgegend durch je einen dicken Punkt angedeutet ist. Der zweite Punkt unter dem rechten Knie ist der Rest des rechten Kusses, das offene Dreieck über dem linken Knie wird als der linke Fuss mit nach oben gerichteter, langgestreckter Sohle angesehen werden müssen. Höchst charakteristisch ist es, wie dieser als Fussolile zu deutende Dreiecksschenkel in Form und Richtung mit der Fussolile des Mannes auf den Brakteaten aus Schonen übereinstimmt. Über dem Kopfe schwebt ein an eine Hantel erinnernder Gegenstand; das ist wahrscheinlich der Rest von dem oberen Contour des Helmes. Der an der hinteren Spitze des grossen Kopfdreiecks befindliche Punkt mit dem daranhängenden, nach oben offenen Dreieck lässt sich unschwer als die Vogelkopfspitze am Helme des Vorbildes wiedererkennen. Den Anhang an dem vorderen Ende des Kopf-Dreiecks deute ich als Analogon des vor dem Gesichte schwebenden Vogels. Ganz deutlich ist der linke Arm, der hier auf dem Rosentlialer Brakteaten einen hantelartigen Gegenstand hält, von dem später noch die Rede sein wird. Schwer zu erkennen ist der rechte Arm; er ist von dem rohen Künstler in einfache Ornamentierungen aufgelöst worden, die sich als ein schräg liegendes und ein an den Enden mit Knöpfen versehenes Kreuz darstellen. Die an dem unteren Seitenrande der Bildfläche befindliche Bogenlinie, welche sich an ihrem oberen Ende gabelt, nimmt genau diejenige Stelle ein, auf welcher wir auf dem Vorbilde in ganz ebenso aufgerichteter Haltung das Pferd erblicken. Da aber an dem gleichen Platze auf anderen Goldbrakteateu anstatt des Pferdes ein drachenartiges Wesen auftritt, so haben wir die Wahl, ob wir in der Bogeulinie die Überreste eines Drachens oder eirnrs Pferdes erkennen wollen.
Bei solchen rohen Kunstwerken, wie der Brakteat von Rosenthal, kann man natürlicherweise nicht mehr w'issen, ob der, das ihm vorliegende edlere Vorbild kopierende Künstler sich noch klar darüber war, was für einen Gegenstand er zur Darstellung brachte, und ob er sich noch das Gleiche oder etwas anderes dabei gedacht hat. Das kann uns aber nicht daran hindern, dass wir heute die rohere Darstellung aus
*) Dem Berichterstatter hat augenscheinlich ein Kopf, wie ich ihn auf Figur 14 dargestellt habe, vorgeschwebt. Der Verf.
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