K. Altrichter, Der Rosenthaler Gold- und Silberfund.
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inschriften, die bisher als solche gar nicht galten, sondern als willkürliche Zusammenstellung veralteter Schriftzeichen aufgefasst wurden, eingehend besprochen habe.
Trotz alledem kommt Herr Bartels dennoch hinsichts der Zeit der Herstellung auf annähernd dieselbe Zeit wie ich, indem er sagt:„ Nach der wohl unbestrittenen Annahme der nordischen Archäologen sind die Goldbrakteaten in der Zeit vom 5. bis 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung angefertigt worden", und weiter:„ Er wird wohl sicherlich nicht vor dem 8. Jahrhundert, vielleicht sogar erst gegen Ende desselben angefertigt worden sein".
Dieser letztere Satz allerdings vernotwendigte sich aus der Hypothese, dass hier das Erzeugnis einer vollständig verrohten Kunst vorliegt. Sie machte eine erkennbare Zeitverschiebung notwendig. Allerdings macht sich um die Wende des 8. Jahrhunderts ein Niedergang in dieser Kunst bemerkbar, er äussert sich aber, wie Figur 14 zeigt, in ganz anderer Weise, indem typische Einzeldarstellungen durchaus festgehalten sind, was vom Rosenthaler Goldbrakteaten eben nicht gilt.
In der Fibelplatte kann man noch weniger eine missratene Figur erblicken. Der Übergang, den ich zur ältesten Darstellung eines heraldischen Adlers glaube nachgewiesen zu haben, weist eher darauf hin, dass hier ein Anfangsstadium der heraldischen Darstellung auf uns gekommen ist; es erscheint ein neuer Zweig der damaligen Metallgiesserei oder Schmiederei. Der Umstand, dass dieser selbige Vogel sich bei den Franken später zum Hahn, oder Geier, von Napoleon I. fälschlich Adler genannt und bei den Germanen zum Adler bezw. Doppeladler entwickeln konnte, weist darauf hin, dass das hier vorliegende Kunsterzeugnis einer Zeit angehört, zu der Franken und Germanen im geschichtlichen Sinne noch nicht klar genug getrennt waren, also frühestens auf die Zeit, als die Karolinger zur Herrschaft kamen. Die Fibel wird sonach etwa dem Anfange des 8. Jahrhunderts angehören können.
Diese Ermittelung deckt sich mit dem, was Herr Friedel S. 519 der Verhandlungen sagt: Die Fibula gleicht der merovingischen, welche bei Lindenschmit, Heidnische Altertümer Band II, Heft X, Taf. VI Nr. 7, abgebildet ist. Ähnliche Spangen kommen bei fast allen spätgermanischen Völkern von Kertsch in der Gegend des Asowschen Meeres und von Süd- Ungarn bis Frankreich , sowohl bei den noch heidnischen, wie bei den christianisierten vor; auch in Skandinavien und im Nordosten Deutschlands haben sie sich dort häufig, hier seltener erhalten...
Es ist hiernach annähernd dieselbe Zeit herausgerechnet, die ich von anderen Gesichtspunkten aus ermitteln konnte, und ich kann diese Arbeit durchaus mit den Worten schliessen, mit denen Herr Friedel seiner Zeit seinen Vortrag endigte, indem er sagte:
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