Heft 
(1897) 6
Seite
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Creusings Märkische Chronik.

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Creusings Märkische Chronik.

Auf S. 236 Anm. ** des vorangehenden Aufsatzes habe ich, ohne einen Beweis für meine Behauptung beizubringen, die Bemerkung gemacht, dass das Exemplar von Creusings Märkischer Chronik, welches das Geh. Staats-Archiv zu Berlin besitzt, das Autographum des Verfassers sei. Es möge mir ge­stattet sein, im folgenden die Gründe, die mich zu dieser Meinung veranlassen, auseinanderzusetzen, umsomehr, als dabei eine bis dahin unbekannte und unedierte Vorrede Creusings zu seiner Chronik, die nicht nur über ihn selbst und sein Werk, sondern auch allgemein darüber Aufschluss giebt, wie und zu welchem Zwecke im 16. Jahrhundert Chroniken verfasst wurden, zum Abdruck gelangen wird. Vorher möchte ich jedoch das wenige, was wir über Creusings Leben wissen, noch Vorbringen.

Nach seiner eigenen Angabe auf dem Titel blatte des Autographums seiner Chronik (s. u.) stammte Creusing aus Stolberg im Meissenschen; den­selben Ort giebt auch Heinrich Sebald an, der seit 1614 in Beelitz Pfarrer war und ein Breviarium historicum*) schrieb, in dem er u. a. ein Verzeichniss der bis zu seiner Zeit in dieser Stadt thätig gewesenen Geistlichen giebt. Die ungefähre Zeit von Creusings Geburt lässt sich aus der Thatsache entnehmen, dass er nach Ausweis des Album academicum der Universität zu Wittenberg**) am 6. Juli 1559 daselbst immatrikuliert wurde. Seit frühestens 1569 aber nicht eher, da nach Sebalds Angabe es zu den Zeiten des am 10. Februar 1569 verstorbenen Predigers Gerson Voldenscher noch keinen Diaconus in Belitz gab und Creusing erst der dritte war, der dieses Amt bekleidete f), wahrscheinlich aber erst seit 1570 war er als 2. Prediger in der genannten Stadt thätig. Als solcher begann er alsbald seine litterarische Thätigkeit. Er verfasste kurz nach einander mehrere kleinere Schriften, Flugschriften, die alle den Zweck gehabt zu haben scheinen, für die durch Feuersbrunst stark heimgesuchten Beelitzer Geldbeiträge zu erlangen. Es sind dies:

1. Hostilis irruptionis, quae in Marchiae Mediae oppido, Belitia, anno Christi 1478 facta est a . . Boemo . . . Jan Cuc, descriptio latina et germanica in gratiam et honorem Belicensium dedita a Paulo Creusingio, Evangelii ministro ibidem. Wittenberg 1570. ff)

2. Descriptio quadruplicis incendii oppidi Belicensis. Gleichzeitig und

*) M. Hinricus Sebaldus, Breviarium historicum. Wittenberg 1655. 4 .° Die Liste der Prediger beginnt auf S. 712, die der Diakonen S. 714.

**) Alb. Acad. Viteb. I, 3626,*°. Ein jüngerer Bruder von ihm dürfte der am 21. Dez. 1567 inscribierte Johannes Kreysing Stolbergensis (ibid. II p. 135,6, 41 ) ge­wesen sein.

f) Brev. hist. S. 714.

tt) In etwas veränderter Gestalt hat Creusing diese (lateinische und deutsche) Beschreibung auch seiner Chronik einverleibt (S. 152. 53 ed. Ho.) Einen Neudruck der Erstausgabe, zusammen mit der Schrift No. 2, hat G. G. Küster in der Collectio opuseulorum Ilistoriam Marchicam illustrantium, 18, 19. Stück, Berlin 1734, S. 96102, veranstaltet.