Heft 
(1897) 6
Seite
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Kleine Mitteilungen.

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wüst wurden. Liepnitz und Lindow sind nach Ausweis der brandenburgischen Stiftsmatrikel von 1459 vor ihrer Verwüstung Pfarrdörfer gewesen. Vermut­lich war es die Pest, der schwarze Tod, der 1348 den Ort entweder gänzlich entvölkerte oder doch die Einwohnerzahl derartig verringerte, dass der Rest es vorzog, nach Bernau überzusiedeln, wenn nicht ein allmählicher Auskauf der Dorfhufen von Bernau aus erfolgt ist. Wie die Pest in Bernau noch später gehaust hat, beweisen folgende Zahlen: es starben an der Pest 1598 von ca. 2000 Ew. 1137, 1516 ebenfalls über 1100 Personen und 1638 (im letzten Pestjahr) noch 953, sodass der Bernauer Chronist Seiler (gest. 1741) mit Recht sagen konnte:Wen das Schwert verschonet, hat der Hunger aufge­rieben, und wen der Hunger nicht betroffen, den hat die Pest erwürget! Wenn nun Bernau nicht von demselben Schicksal betroffen wurde, dem die jetzt wüste Stadt Blumenthal bei Straussberg anheimfiel, so ist nur anzu­nehmen, dass mehrfach ein starker Zuzug von aussen stattgefunden haben muss. Der Volksmund bringt freilich den Untergang des Dorfes mit dem Hussitenkriege in Verbindung; dass Alt-Lindow indessen schon weit früher eingegangen ist, geht daraus hervor, dass die Carolingische Statistik von 1375 des Ortes nicht mehr erwähnt, während von Alt-Liepnitz noch bemerkt wird, es sei von Alters her nicht mehr angebaut worden. Die Liepnitzer Feldmark wurde in eine Kiefernheide (Bernauer Hinterheide) verwandelt, die von Lindow hingegen zu den Bürgerhufen geschlagen, von welchen dann der Kämmereikasse ein Hufenzins entrichtet wurde.

Das Lindower Gebiet liegt zwischen den Feldmarken von Bernau, Bör­nicke, Elisenau, Blumberg, Birkholz, Schwanebeck und Zepernick. Die Kirche befand sich unweit der ehemaligeneinsamen Pappel auf dem an dem v Lindowschen Busch belegenen de Martincourtschen Wor dl ar ide, östlich von I, dem sogenannten Wordlä nder- bzw. Breitenwiesenwege und ca. 180 m nörd­lich von dem Lindower Damm. Die Fundamente waren noch im ersten Viertel dieses Jahrhunderts deutlich sichtbar und sind von den betreffenden Besitzern behufs anderer Verwendung der Feldsteine herausgebrochen worden.

Von diesem Wordlande wird im Lagerbuch von 1719 gesagt:Ein wüster Kirehplatz nebst dem wüsten Kirchhofe vor den Lindowschen Wördeländern gehöret dem Magistrat als Patron. Den Platz, wo die Kirche liinst gestan- den hat, machen noch heut zahlreiche Backstein- und Mörtelreste deutlich kenntlich. Nachgrabungen in der Nähe der ehemaligen Kirche ergaben nun eine grosse Zahl Knochen, die von menschlichen Skeletten herrührten; es gelang sogar, zwei vollständige Gerippe blosszulegen, und Herr Geheimrat Friedei förderte alsbald eigenhändig einen gut erhaltenen Schädel (einen weiblichen Langkopf) zu Tage, während Herr Maurer einen zweiten (einen Rundkopf) ausgrub. Hierauf wurde die alte Dorfstelle selbst besichtigt, deren Hauptstrasse durch den erwähnten (gepflasterten) Lindower Damm bezeichnet wird. Dieselbe zieht sich etwa von Osten nach Westen. An dieser Stelle wurden von mir bei einer früheren Besichtigung einige mittelalterliche Scher­ben und auch ein Stück eines verrosteten Schlüssels gefunden.

Zu erwähnen ist noch, dass Herr Friedei auf der Dorfstelle Alt-Lindow mehrere lege artis zugeschlagene Feuersteine fand, welche nebst den im Feuer geplatzten, charakteristischen Feldsteinen, Schal- und Kantstücken

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