Otto Pniower, Bartholomäus Krüger.
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Der Landsknecht hat fast schon die Leiter zum Galgen erstiegen, da beschwört er noch einmal die Richter, ihm sein junges Leben zu lassen. Gern will er ihnen sein Geld geben und er verspricht nie mehr in ihr Dorf zu kommen. Da warnt der Mordteufel die Bauern, indem er die Gefahr malt, in die sie sich, wenn sie ihn frei lassen, begeben. So muss das Haupt des Landsknechts fallen.
Von nun ab ändert sich die Rolle des Mordteufels. Kaum hat er die Richter zu der Unthat verleitet, so zeigt er sich als der Vertreter ihrer Rache. Wie er unmittelbar nach der Hinrichtung des Landsknechts seinem Triumph über das geschehene Unrecht Ausdruck giebt (v. 914 ff. 987 ff.), so erscheint er bald, um seine Freude über den Fall der von der Rache des Schicksals Ereilten auszusprechen (v. 1137 f. v. 1942) und Zuschauer des verhängnisvollen Schmauses zu werden, bei dem ein Bauer vom andern erstochen wird, bald erhebt er, nachdem das geschehen, über das glückliche Gelingen der Rache einen Freudengesang mit seinem Gefolge (v. 1450) und führt mit ihm einen Tanz aus. Oder er bewirkt, dass einer der ungerechten Richter, als er selbst einen Diebstahl ausznführen im Begriffe ist, ertappt wird. Später schliesst sich ihm bei seinem Thun der Satan selbst an.
Originell und seltsam ist die Art, wie diese beiden, „der Mordteuffel“ und Satan, den Mönch Quirinus, der zuerst den Bauern vorschlug, den Landsknecht hängen zu lassen, strafen. Als sie den vom Fieber geplagten Schulzen zur Hölle holen, stimmen sie mit ihrem Gefolge ein Terzett an. „Sie lassen, wie es in der scenischen Bemerkung heisst, den Bass bleiben, fahens aber etliche mal an, und hören wider auff, weil es nicht klingen will .... und wenn sie etlich mal vom singen aufgehöret, holen sie den Münch, dass er Quartam vocem singen muss.“ Auf diese Weise wird Quirinus trotz dem Zeichen des Kreuzes, das er, um die Teufel abzuwehren, macht, in die Hölle geschleppt.
An einigen dieser Stellen zeigt Krüger bemerkenswerte künstlerische Qualitäten. Kunstvoll verwendet er das Mittel der Steigerung (v. 665 f. 679 ff'.), indem er durch stufenmässige Anwendung desselben Motivs Spannung zu erregen weiss. Er erreicht überhaupt ästhetisch eine nicht unbeträchtliche Höhe. Seine Fähigkeit zu charakterisieren ist keineswegs gering. Bei einigen Figuren hat man das Gefühl, dass sichere Bilder von ihnen vor dem inneren Auge des Dichters standen. Wie gut sind in einer ganz kurzen Scene (v. 1012 ff.) der Krüger (d. h. der Inhaber des Dorfkruges) und seine Frau gezeichnet: ihr gedrücktes Wesen, die Furcht vor der Obrigkeit (v. 1048 u. 1056), die Bauernschlauheit, mit der sie sich über das dem Unschuldigen widerfahrene Unrecht trösten, indem sie sich schmunzelnd gestehn, dass das dem Landsknecht abgenommene Geld zum Teil bei ihnen verschlemmt werden