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Kleine Mitteilungen.
III. Ein junges Mädchen in Joachimsthal erzählte: Vor einiger Zeit soll der Judentotschlag abgebrannt sein Früher hat dort auch eine mächtige Kiefer gestanden, die war mit einem Kreuz gezeichnet.
Ich persönlich habe den Haufen am 1. Oktober 1897 erheblich ergänzt. Er besteht aus Waehholderreisig. Die Höhe betrug nur ca. 1 m. Man konnte den Haufen fast im Arm forttragen.
Will man den Judentotschlag aufsuchen, so verfolgt man am besten den verbotenen Weg (Fusssteig) der geradeüber vom Schützenhause vor der Lehmchaussee abgeht. Nach ca. 20 Minuten erreicht man die L.-Chaussee. Der Judentotschlag liegt ca. 200 Schritt vor der Stelle, an der die Lehmchaussee in Pflaster übergeht, rechts hart am Wege in einer weiten Mulde zwischen 2 Hügeln, die ca. 200 Schritt von einander entfernt sind. Weiter in den Wald hinein vertieft sich die Senke, O. Monke.
Vom „ Böte n“, ein Beitrag zum Volksglauben in Berlin , Einer unserer rühmlichst bekannten Anthropologen, Herr Sanitätsrat Dr. Bartels, hielt im Berliner Verein für Volkskunde am 28. Dezember 1894 einen Vortrag über das Besprechen („Böten“) und die im Volksglauben üblichen Besprechungsformeln von den in den indischen Veden vorkommenden Heilsprüchen und von der Merseburger Zauberformel*) bis zu den neuesten Wendungen, wie sie im Volk jetzt noch umlaufen. Herr Geheimrat Dr. W. Schwartz machte darauf aufmerksam, dass es doch allezeit Zweifler gegeben und führte den isländischen Schwank an, wie der teufelsbannende Geistliche, der vergessen hat, dass „Spiritus“ nach der 4. Deklination geht, dem Teufel zuruft: „abi male spirite“! (statt spiritus) und Satanas ihm antwortet, es falle ihm nicht ein, vor einem solchen elenden Lateiner auszu- fahren. Einen andern Belag bringt unser Berliner Dichter Heinrich Seidel (Sonderbare Geschichten, Leipz. 1891, S. 165). Ein Landmann bringt einer armen, ihm recht hexenhaft vorkommenden Frau halb aus Hohn das Verslein bei:
*) Verhochdeutscht:
Phol und Wodan fuhren zu Holze,
Da ward dem Balders Fohlen sein Fuss verrenket ;
Da bötete Sinthgunt, Sunna ihre Schwester,
Da bötete Frua, Folla ihre Schwester,
Da bötete Wodan , so wohl er konnte,
So zum Beinrenken, so zum Blutrenken,
So zum Gliederrenken.
Bein zu Bein, Blut zu Blut,
Glied zu Glied, so sie zusammengeleimt sind.
Joh. Matth. Firmenich, Germaniens Völkerstimmen giebt Bd. I, S. 137 folgende Erklärung: „Böten bezeichnet die Handlung, wenn die Heilung irgend eines Uebels durch Streichen, Hauchen und Besprechen versucht wird, namentlich bei der Rose. Das Besprechen besteht in Hinmurmeln abergläubischer Sprüche oder Formeln während des Streichens und Anhauchens des krankhaften Theils, also ein ländlichsittliches Magnetisiren.“ F. führt ebendaselbst in einem scherzhaften altmärkischen Liede folgende Verse an: