14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres,
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welches als fin Delikatess-Spis-Knäckebröd auch nach dem Ausland verführt wird, leider aber bei uns in Berlin noch fast unbekannt ist, obwohl das Brot, wie Ihnen die heut Abend vorgelegten Proben aus Up sala in Schweden zeigen, äussert wohlschmeckend und gesund ist und sich trocken verwahrt unverändert Jahr und Tag hält. Die beut von mir hier vorgelegten Weizenfladen sind kreisrund, haben etwa 20 cm Durchmesser und in der Mitte ein 3 cm im Durchmesser haltendes Loch. Dgl. Knäckebröd wird auch derber und dicker aus Roggen für das Volk und den gewöhnlichen Hausgebrauch hergestellt.
Ähnliches Hartbrot ohne Krume ist auch bei uns sicherlich das älteste Brot gewesen und es haben sich Überlieferungen davon in einzelnen Teilen erhalten. So die flachen Brotkuchen, welche in der Niederlausitz hergestellt und mit Leinöl verzehrt werden und die Speckkuchen genannten Brotfladen der Altmark und Uckermark , woselbst man, um dies Hartbrot schmackhaft zu machen, Speckstückchen hineinbackt.
Unserm eifrigen Mitgliede Herrn Otto Monke verdanke ich flache Brotfladen von altertümlicher Form, welche seine Mutter in Lietzow bei Nauen , Kreis Osthavelland , vor einigen Tagen gebacken hat und die ich hier auslege. Herr Monke entsinnt sich, dass diese Brotkuchen aus Roggen- oder Weizenmehl auch noch dünner und flacher, dabei aber rösch gebacken, dem nordischen Knäckebröd also sehr ähnlich, hergestellt werden — vielleicht muss man bald sagen — wurden, denn die Sitte dieser Brotbereitung unserer Urmütter stirbt mit dem Hausbrot aus. In den kleinen Wirtschaften, ja auf den grossen Rittergütern verfallen die Backöfen mehr und mehr; das kunstgerechte Bäckerbrot, wenn es auch weniger kräftig und nahrhaft ist, verdrängt aus Gründen der Bequemlichkeit das Landbrot mehr und mehr, und ein Bäcker sucht den andern durch Feinbrotkünsteleien zu übertrumpfen, sodass vielleicht vor Ende des nächsten Jahrhunderts bereits die primitiven Brotbereitungen, von denen ich heute gesprochen und die ich durch Beweisstücke belegt habe, eine Sage geworden sein werden. — Mit unserer Erklärung, dass das älteste Brot, eben unser Hartbrot, Knäckebrot war, stimmt die Ableitung des Wortes, die nach Grimm von Brechen, Knicken herkommt, siehe Wörterbuch S. 399. Brod für Brot zu schreiben ist übrigens un- hochdeutsch, obwohl es schon Schriftsteller des Ifi. Jahrhunderts, z. B. Alberus, thun. (Grimm a. a. 0. S. 400.)
B. Primitive tierische Kost.
1. Die Butter.
Bei dem Wort Brot fällt dem Norddeutschen, überhaupt dem Nordgermanen unwillküi’lich und von selbst das Wort Butter ein, aber