14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
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handelt, in Norddeutschland sagt man „die Butter“, in Bayern, in Österreich, Tirol, in der Schweiz, selbst in der Pfalz und in Franken „der Butter“ (mit langem u). Dabei wird das Wort im süddeutschen Sprachgebiet überhaupt seltener gebraucht, gerade wie das Nahrungsmittel selbst; man benutzt im Südwesten für Butter das Wort „Anke“, so schreibt Hebel in seinen alemannischen Gedichten für unsere süsse Maibutter „süsse Anke“. Man sagt dort auch für Butter „Schmeer“, dies ist das alte germanische Wort überhaupt für Butter, so im Skandinavischen noch heut „Smör“. Im Althochdeutschen heisst es z. B. chuo-smero d. i. Kuh-Schmeer, daneben hat man an Stuten-Schmeer, Schaf-Schmeer, Ziegen-Schmeer zu denken.
Das Wort Butter, gr. βούτυρον, lat. butyrum, it. butiro, burro, franz. beurre, provenc. boder ist jedenfalls ein fremdes Wort, wie der Gegenstand für die klassischen Völker selbst. Die Brüder Grimm (Wörterbuch) lassen aber eine Herleitung aus dem Griechischen, aus βοῦς und τυρός zu (Galenus: bk tov ßosiov vopi'^w ßovrvpov xaXuaSat),
dagegen des Hippokrates Angabe, dass ßovrvpov scytisch sei, dahingestellt. Die älteste Erwähnung der Butter dürfte im Herodot eben bei jenen Scythen (IV. 2. p. 281) Vorkommen. Diese, sagt er, giessen die Pferdemilch in hölzerne Gefässe, lassen solche von ihren geblendeten Knechten stark bewegen und schütteln und nehmen dasjenige ab, welches sich oben aufsetzt, indem sie dies für schmackhafter und schätzbarer als dasjenige erachten, welches sich darunter absetzt. Bald nach Ilippokrates erzählt der Dichter Anaxandrides von der Hochzeit des Iphikrates und dem dabei in Thrazien gegebenen Gastmahl; da, sagt er, als etwas Ungewöhnliches, haben die Thrazier Butter gegessen.*)
Aristoteles erwähnt auffallend genug die Butter garnicht. Bei Strabo kommen drei Stellen mit Erwähnung der Butter vor: Die Lusi- tanier nahmen Butter statt Öl, die Aethioper dgl. und die verwundeten Elefanten schafften dadurch die Pfeile aus ihrem Körper fort und heilten sich, dass sie Butter — wo bekamen sie diese aber her? — tränken. Plutarch erzählt, dass eine Spartanerin zu Berenice, der Gemahlin des
*) Als hohes Alter für das Vorkommen der Butter bei den kultivierten Völkern des Altertums wird u. A. auch die häufige Erwähnung des Wortes Butter in der lutherischen Übersetzung des Alten Testameuts (1. Mos. 18, 8; 5, 32, 14; Richter 5 25; II. Sam. 17, 29; Jesaias 7, 15, 22; Hiob 20, 17 u. 29, 6; Sprüche Sal. 30, 33) angeführt. Allein das ebräische Wort Chamea bedeutet Rahm, Milch, dicke Milch, aber nicht Butter. Vgl. Otto von Gerlachs Bibelwerk, Ausführung zu 1. Mos. 18, 8. — Wenn aus der Zeit der spanischen Eroberung der Kanarischen Insel erzählt wird man habe in alten Guanchen-Höhlen grosse Töpfe mit Butter gefunden, so kann der Thatbestand jetzt nicht mehr geprüft werden, es müsste denn eine noch mibe rührte Grotte eine derartige Untersuchung ermöglichen. Die Spanier selbst verstanden, wie wir weiterhin sehen werden, von der Butter herzlich wenig. Der Don Quixote des Cervantes schweigt darüber.