Heft 
(1897) 6
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14. (5. ordenti.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.

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Dijotarus, gekommen wäre, dass die eine nach Salbe, die andere nach Butter gerochen hätte, und dass sie sich beide deswegen nicht hätten ausstellen können. Die Abessinierinnen salben sich noch heut mit oft ranzig riechender Butter reichlich ein. Nach Sidonius Apollinaris carm. 12 (um 450 n. Chr.) salbten die Burgunder ihre Haare mit saurer Butter: Quod Burgundio cantat esculentus, infundens acido comam butyro.

Dioskorides im 1. Jahrli. n. Chr. sagt: Gute Butter werde aus der fettesten Milch, dergleichen Schaf- und Ziegen - Milch sei, dadurch bereitet, dass man sie in einem Gefässe so lange bewege, bis sich der fette Anteil ausgeschieden habe. Dieser Butter schreibt er heilsame Eigenschaften bei. Zugleich meldet er zum ersten Male, dass man mit frischer Butter statt Oel die Gemüse bereiten, auch damit backen könne. Galenus, welcher die Heilkräfte der Butter noch genauer ausein­ander gesetzt und bestätigt hat, merkt ausdrücklich an, dass die Kuh­milch die fetteste Butter gebe, viel weniger fett sei die Butter aus Schaf- und Ziegen-Milch, am wenigsten die aus Esel-Milch. Er bezeugt dabei seine Verwunderung, wie Dioskorides sage, dass Schaf- und Ziegen-Milch zum Buttern verwendet werde, und versichert, er habe sie selbst aus Kuhmilch machen sehen, er glaube auch, sie habe von eben dieser Milch ihren Namen. Man könnte, sagte er, die Butter ganz wohl zu Salbe brauchen, und wenn man Leder damit einschmiere, so wäre das ebenso gut, als wenn man Oel einreibe. Sogar bediene man sich in kalten Ländern, welche kein Oel hätten, der Butter in den Bädern, und dass sie ein wahres Fett sei, erkenne man auch daraus deutlich genug, dass sie, wenn sie aufglühendeKohlen gegossen würde, eineFlamme errege.*).

Mit Galenus (geb. 181, f um 200 n. Chr.) kommen wir tief in die römische Kaiserzeit und man ersieht sowohl aus den griechischen wie römischen Schriftstellern, dass die Butter ihnen immer etwas unge­wöhnliches gewesen und geblieben ist. Plinius schreibt die Erfindung der Butter daher auch gewiss ganz zutreffend den barbarischen Stämmen (XXVIII, 9. pag. 405) zu, wobei er höchst wahrscheinlich an germanische Völkerschaften gedacht hat. Die Griechen haben sie durch die Scythen, Thrazier und Phrygier, die Römer durch die Germanen, vielleicht auch die Nord-Kelten kennen gelernt. Weder die Griechen noch die Römer haben das .Butter-Brot gekannt noch die Butter zum Kochen gebraucht. Marcus Gabius Apicius, ein berüchtigter Feinschmecker zur Zeit des Augustus und Tiberius, welcher die leckerste Tafel in Rom führte und sein Genie für die Kochkunst durch so bedeutende

*) Plinius, XXXVIII, 9 pag. 465 bemerkt: e lacte fit et butyrum, barbarorum gentium lautissimus cibus, et qui divites a plebe disceraant. Plurimum e bubulo, et inde nomen; pinguissimum ex ovibus. Fit et ex caprino, sed hieme, calefacto lecte. Additur paululum aquae ut acescat, d. h. damit die Butter sauer wird.