392 14. (5. ordentU Versammlung des VI. Vereinsjahres.
Erfindungen bekundete, dass sein Name zum Sprichwort ward und Kochkunst-Schulen nach ihm benannt wurden, kannte die Butter als Speise nicht und Cölius, der unter des .Apicius Namen ein Kochbuch in zehn Abteilungen (de arte coyuinaria seu de obsoniis et condiinentis) geschrieben hat und das von Milch, Käse und Öl sehr ausführlich handelt, erwähnt die Butter garnicht. Johann Beckmann (Beiträge zur Geschichte der Erfindungen, 3. Bd., 1792 S. 270 flg.) giebt sehr richtig zwei Gründe für die Missachtung der Butter bei den klassischen Völkern an: einmal scheinen dieselben feste Tafelbutter garnicht, vielmehr nur eine halb- flüssige, unansehnliche Butter hergestellt zu haben. Dann hatte man sich damals bereits gänzlich an den Gebrauch des trefflichen Speiseöls gewöhnt, welches letztere auch heut noch die Italiener, Spanier, Portugiesen und Südfranzosen der Butter Bei weitem-vorziehen. Auch hielten die klassischen Völker von der Kochkunst der barbarischen Völker überhaupt nicht viel.
Noch heut wird gewöhnliche Butter in jenen Bändern in manchen Orten in der Apotheke als etwas Besonderes verkauft und Beckmann erwähnt (S. -03), dass, als Eeodius den Churfürsten Friedrich 11. von der Pfalz im 1(5. Jahrhundert auf seiner Reise durch Spanien begleitete und daselbst, was zur Notdurft der Reise gehört, einkaufen wollte, er nach langem Fragen wegen der Butter in eine Apotheke verwiesen ward, wo man aber wegen der Menge, die er zu kaufen verlangte, erstaunte und ihm schliesslich in einer Blase einen kleinen verdorbenen Vorrat zeigte, der zum Einreiben Imstimmt war. Eine ähnliche abscheuliche Butter, mehr in der Art des süddeutschen Schmalzes, sieht man noch heutzutage in den italienisc und Wirtshäusern in
Blasen an der Decke hängen, für jeden Nordgermanen •ungeniessbar.
Wir kommen damit auf den fundamentalen Unterschied zwischen der norddeutschen Butter und dem Schmalz zurück. Dass die erstere, die eigentliche Butter zum Rohessen, die ausgelassene und gekochte südländische Butter, d. h. das Schmalz, zum Kochen bestimmt war, erhellt schon aus einem mittelalterlichen Gedicht, welches vom Heiligen Bernhard erzählt: wie ihm Butter und Butterschmalz hingesetzt worden sei, wäre er nun so in Andacht versunken gewesen, dass er ruhig das Schmalz gegessen habe, ohne zu bemerken, wie es nicht Butter war.
Man solde im zweimal buteren geben, do stunt smalz da beneben zu andern dingen bereit, das wart von Vergessenheit me danne zweimal vor in brächt, do hete er siner andächt geworfen kleine an spise, er as es in der wise als ob es butere were.
(pass. K. 401.)