Heft 
(1897) 6
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14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.

essens, ja wann sie rohen Speck essen, so bestreichen oder beschmieren sie den zuvor mit Butter, vnd brauchen dieselbi^e im Essen mächtig offt vnd sehr.

In naiver Weise fügt er aber für unsere Frauen gleich eine Warnung dabei hinzu.Doch muss ich dieses den Haussmüttern zur Nachrichtuug auch auzeigen, was ihnen vor ein grewlicher vnd erschrecklicher Schade durch die Butter zukommen kan. Dann wan sie Butter vber Fewer ge- satzt haben, vnd selbige sich anzündet, vnd man Wasser drein gust vnd vermeinet sie also zu loschen, so zündet man das gantze Hauss an, dann das Fewer fehret gewaltig vber sich in die Höhe vnd zündet bald an. Als Anno 1(104, den 27. Aprilis, Annaeberg in Meissen gar zu gründe aussgebrandt ist, soll solches ein Weib auff diese Weise verur­sacht haben. Wiewol hernach auss der Stadt Präge geschrieben worden, dass es zweene Juden zu Prag bekandt, dass sie es solten angesteckt haben, dann das Fewer nicht au einem Ort allein angangen.

In Wirklichkeit hat es lange gedauert, bis gute Butter in unserm heutigen Geschmacke allgemeiner in der Mark verfertigt wurde, z. T. lag dies an der Unkenntnis einer sauberen Bereitung, z. T. auch an dem dürftigen Landvieh, unter welchem sich keine hervorragenden Milchkühe befanden, z. T. auch an der mangelhaften Weide und Stallfütterung. Holland ist hier für uns vorbildlich geworden. Der Grosse Kurfürst, der eine grosse Vorliebe für dies Land hatte und durch seine erste Gemahlin Luise Henriette von Oranien fortgesetzt Beziehungen zu den General-Staaten pflog, brachte Holländer ins Land, welche nach Ai't ihrer Heimat die Fabrikation der süssen Sahnen-Butter ausübten. Dies Beispiel scheint aber in unserer Landbevölkerung keinen nach­haltigen Eindruck hinterlassen zu haben, vielmehr datiert der eigentliche Aufschwung der Molkereien, der Milch-, Rahm-, Butter- und Käse-Wirt­schaft erst seit König Friedrich Wilhelm I.

Der Hauptsitz hierfür ist das weltberühmte Königshorst, welches auf den trocken gelegten Ländereien der bisherigen Arendshorsten 1718 geschaffen wurde. *) Die Bestimmung des neuen nach dem ökonomischen König benannten Horstguts ging auf eine daselbst zu errichtende Milch­wirtschaft nach niederdeutscher Art, daher der König im Jahre 1719 und nochmals im Jahre 1721 eine grosse Anzahl Kühe aus Ostfriesland, und das Jahr darauf einen in der Kunst der Butter- und Käsebereitung vorzüglich geübten Meier aus dem damals noch deutschen, 1815 leider von Preussen an die Niederlande - abgetretenen Amte Zevenaar kommen

*) Nach Berghaus, Landbuch der Mark Brandenburg 1. 410. Horst bedeutet in der Mark Brandenburg eine im Sumpfe befindliche trockene Erhöhung von grösserer Ausdehnung. Diese Ortsbezeichnung kommt sehr häufig vor, z. B. Adlers­horst, Kuhhorst bei Lobeofsund etc. Im wendischen Spreewald sind damit die Kaupen zu vergleichen.