Heft 
(1897) 6
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14. (5. ordentl.) Versammlung des VI Vereinsjahres.

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27. Oktober 1893, wie unseren Mitgliedern noch wohl erinnerlich, mit grösstem Interesse besucht worden ist (Monatsblatt II, 183 %.). Durch diese Verbesserungen ist die Butter gegen ihren Preis in den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts, zumal, wenn man den nicht unbeträchtlich höheren Wert des Geldes dazumal mitveranschlagt, entschieden ver­billigt und dadurch mehr Gemeingut, mehr wirkliches Volksnahrungs­mittel geworden und mit Recht tritt die Regierung deshalb scharf gegen die Verfälschung der Kuh-Butter mit sogen. Kunstbutter, Margarine und dgl. auf. Zum Schluss unserer Mitteilung über die Herkunft und Ver­breitung der Butter sei noch mehr als Curiosum angeführt, dass ich in der Priegnitz Schaf-Butter angetroffen habe und dass nach Mitteilung unseres Mitgliedes Dr. Carl Bolle auch Ziegen-Butter bei uns vorkommt; es ist eine mehr schaumige, wohlbekömmliche Masse, die zur Zeit beispielsweise in Neu-Weissensee bei Berlin, natürlich nur im häuslichen Kleinbetriebe, angefertigt wird und für den Liebhaber ganz gut schmecken soll.

2. Der Käse.

Unter den aus der Aufbereitung der Milch gewonnenen Erzeugnissen hat der Käse von jeher und bis auf den heutigen Tag eine viel grössere geographische und ethnologische Verbreitung als die Butter. Der Käse ist älter in der Geschichte der menschlichen Land- und Hauswirtschaft, und er hat vor der Butter den gewaltigen Vorsprung, dass er unter allen Klimaten, wo Milcherzeugung herrscht, hergestellt werden kann, während in den wärmeren Ländern Butter in unserem Sinne nicht mehr erzeugbar erscheint.*)

Seit den heroischen und mythologischen Zeiten des cyklopischen Polyphems, der in Sizilien Käserei betrieb, überall verbreitet, hat der Käse eine ungeheure klassische Litteratur, in welche sich zu vertiefen, hier, wo wir es mit der nordischen Heimat zu thun haben, nicht am Platze wäre.

Caesar, de bello Gail, sagt IV, 1 von den Sueven:maximam partem lacte atque pecore vivunt und bestimmter noch von den Ger-

*) In den heissen Ländern sieht es durchgängig mit der Milch- und Butter- Wirtschaft übel aus. Selbst die besten Butterverfertiger, die Holländer, vermögen nicht, in Niederländisch - Ostindien Butter herzustellen. Der erfahrene Naturforscher Dr. G. Radde sagt in seinem Aufsatz:Eine Reise in Indonesien inAus allen Welttheilen, Jahrg. 29, 1897, S. 154 von Java:Nicht so gut fällt unser Urtheil über die Milch aus. Sahne im europäischen Sinne ist hier ein unbekannter Begriff, frische Butter gehört zu den Unmöglichkeiten, die Milch ist eben sehr wässerig, dünn und hat nur geringe Fetttheilchen. Die konservirte Butter ersetzt eine gute, frische nicht, obgleich sie leidlich schmackhaft und geniessbar ist.