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14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
manen im Allgemeinen "VT, 22: „major pars victus eorum lacte et easeo et carne consistit.“*)
Dagegen heisst es von den keltischen Britanniern bei Strabo IV: „moribus partim similes Celtis, partim simpliciores ac magis bar- bari, adeo ut nonnulli, quamvis lacte abundent, caseum tarnen non conficiant propter imperitium“. Die keltischen Iren dagegen müssen der Käsemacherei kundig gewesen sein, denn in ihren vorerwähnten Mooren findet sich auch Käse, bog-cheese, Torfkäse, irisch cäise. Während die Torfbutter in Gefässen ausgegraben wird, findet man den Käse ohne dergleichen, freiliegend (Wilde, a. a. 0. p. 269). Im Museum der K. Irischen Akademie zu Dublin bemerkte icli zwei verschiedene Stücken Torf - Käse. Der eine dieser Käse war kugelig, sehr leicht, trocken und krümlich, dem Stilton - Käse sehr ähnlich. Die Oberseite zeigt deutlich Abdrücke des Stoffes, mit welchem er gepresst wurde, auch Blattabdrücke. Das andere Stück ist ein alter gelbbräunlicher Käse, 7* 2 Zoll lang, Zoll dick, überall die Eindrücke des Zeuges weisend, welches aber von weit feinerem Gewebe erscheint, als der ersterwähnte Stoff. Auf der einen Seite zeigt dieser unvordenkliche Käse deutlich ein erhabenes Kreuz, welches von der Presse herrührt.
Im Norden hat in der That die Käseproduktion mit der Butterfabrikation nicht entsprechend Schritt gehalten und ist mehr vernachlässigt worden. Von Skandinavien sagt Weinhold a. a. 0. S. 145: „Der Käse wurde in Brote geformt und in Kisten aufbewahrt. Seine gewöhnlichen Namen, ostr und misa, die ursprünglich finnisch sind, beweisen, dass die skandinavischen Germanen bei den Urbewohnern des Landes die Käsebereitung, wenn auch nicht erlernten, so doch ver- vollkommneten“.
Dr. Rudolf Hildebrand im Grimmschen Wörterbuch weist darauf hin, dass Grimm für unser Wort Käse, ahd. chasi, das lateinische caseus als Quelle anfangs annahm, später aber eine Anlehnung an das gothische kas versuchte, „aber lat. caseus (später volksm. casius) ist dem ahd. chasi zu gleich, und wie Butter entlehnt ist, mögen die Deutschen auch die Bereitung des Käses gleich der der Butter von den Römern in besserer Weise neu gelernt haben. So heisst nord. der käse zwar ost, altn. ostr., nordschlesw. jütisch vost, aber
*) Nicht ganz hiermit stimmt überein Plinius, XI, 41. pag. 637: mimm bar- baras gentes, quae lacte vivant, ignorare aut spemere tot saeculis casei dotem, den- santes id alioqui in acorem jueundum et pingue butyrum; spuma id est lactis, con- cretiorque, quam quod serum vocatur. Non omittendum in eo olei vim esse, et bar- baros omnes, infantesque nostros ita ungi. — Die Stelle ist auch deshalb ■wichtig, weil sie von dem acor^d. i. der Säure der germanischen Butter spricht, gerade wie die schon erwähnte Stelle XXVIII, 9, pag. 465, wo gesagt wird, dass die Germanen ihre Butter durch Zusatz von Wasser sauer machten.