Heft 
(1897) 6
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14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.

haltenen Ausstellung für Milchwirtschaft ein Käse aus der Zeit, als Karl der Kühne von den Eidgenossen bei Murten 1476 besiegt wurde, aus­gestellt war. Dieser Käse zeigte eine völlig hornartige Beschaffenheit.

3. Die Schaltiere.

Die beschälten Weichtiere (Mollusca bezw. Testacea) kommen als menschliche Nahrungsmittel allein in Betracht, denn meerische gehäus- lose Schnecken (Nacktschnecken, Limacea) werden so wenig verzehrt die nackten Landschnecken.*) Die Schal-Weichtiere zerfallen in Land­schnecken und in Wasser-Weichtiere und letztere in Wasserschnecken und Muscheln. Die Wasserschnecken teilt man wiederum ein in Süss­wasser- und in Meeres - Schnecken und dem entsprechend die Muscheln in Süsswasser- und in Meeres-Muscheln.

Wir erhalten also 5 Gruppen von essbaren Weichtieren:

a) Gehäuse-Landschnecken,

b) Gehäuse-Süsswasser-Schnecken,

c) Gehäuse-Meeres-Schnecken,

d) Süsswasser-Muscheln,

e) Meeres-Muscheln,

*) Es ist mir von Apothekern erzählt worden, dass man in den Apotheken mit­unter nach der bekannten nackten schwarzen Wegeschnecke oder Theer- schnecke (Arion empiricorum Fér) verlangt, um daraus eine Gallerte oder Brühe für Hals- oder Lungenkranke zu kochen. Auch die Volksheilkunde in unserer Provinz Brandenburg sammelt und verwendet diese fette, ungemein stark schleimende Schnecke zu gleichem Behuf. Beiläufig mag erwähnt werden, dass Fuhrleute diese Schnecke bei uns mitunter lebend in die Badbuchsen legen, statt Wagenschmiere, damit die Bäder sich, nachdem die Tiere zerquetscht worden, mit Hülfe des fetten Schleimes besser drehen. Schon in der mehr erwähnten berühmtenOeconomia ruralis et do- mestica hiebevor von M: Joanne Golero beschrieben, Mainz 1656, heisst es, 4. Buch S. 146:Ich werde berichtet, dass die Leute an etlichen örtern die langen schwartzen Schnecken, die man dess Morgens im Thaw findet, in den Theer werffen, die sollen darin zu eitelem Oel werden, damit soll man die Axen mechtig wol schmieren können. Im Lande zu Meckelburg ists an etlichen örtern gar gemein, da gehen die Bawren den gantzen Sommer lang dess Morgens mit Körben auss, vnd lesen sie im Thaw auff, legen sie auff die Axen und stecken die Bade an, das ist ihre Schmier­salb. Ferner 5. Buch S. 169:Von den schwartzen Schnecken pflegen etliche in Oel zu machen. Etliche machen Wagenschmer drauss, wie im 4. Buch am 61. ca. ist ge­meldet. Etliche brauchen sie anderst wo zu. Hiernach scheint es fast, man habe die schwarzen Nacktschnecken im 17. Jahrhundert hier und da in Oel eingemacht, sogar gegessen.

J. P. E. Stein, Kustos am K. zoolog. Museum zu Berlin, f 1882, berichtet in seinem BuchDie lebenden Schnecken und Muscheln der Umgegend Berlins Berlin 1850 von Arion ater List (= empiricorum F6r):dass die Fuhrleute Deutschlands früher, und stellenweis noch jetzt, hauptsächlich diese Art auf die Achsen ihrer Wagen legen, um ein leichteres Umgehen der Bäder zu bewirken, habe ich von mehreren Personen versichern hören. (Siehe auch Dr. H. Scholtz, Ergänz, z. Molluskenfauna Schlesiens, in der Uebersicht d. Arbeiten der schles, Ges. für vaterl. Kultur, im J. 1844, S. 136).