Heft 
(1897) 6
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14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.

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welche teils im rohen teils im gekochten Zustande einen Beitrag zur menschlichen Küche liefern.

a) Essbare Landschnecken.

Man kann eigentlich alle Landschnecken verzehren; niemals sind schädliche Folgen nach dem Genuss von solchen beobachtet worden. Dennoch ist der Mensch von jeher hier besonders wählerisch gewesen. Viele Hunderte von Landschnecken-Arten bieten mehr Schale wie Fleisch und auch bei den eigentlich fleischigen kann man dasselbe erst durch einen komplizierten Vorgang gewinnen, indem man nämlich erst die Schnecken um sie nicht zu quälen durch plötzliches Übergiessen mit siedendem Wasser tötet, gleichzeitig auch mehr oder minder kocht und alsdann mit einem Haken oder Hölzchen aus dem gewundenen Gehäuschen herauszieht, was eine gewisse Fertigkeit verlangt. Austern und andere Muscheln sind ungleich leichter und appetitlicher zu servieren.

Der Genuss der Landschnecken ist nach Nationen und Gegenden ausserordentlich verschieden. In manchen Gegenden verschmäht man

denselben in den gebildeten Klassen ganz oder fast gänzlich. In anderen Gegenden verspeist man fast alle zu der grossen Familie der Schnirkel- schnecken (Helix) gehörigen ansehnlicheren Arten, in anderen Gegenden werden nur einige Schnirkelschnecken - Arten, in Norddeutschland fast nur eine Schnirkelschnecke, die grösste Art, die ansehnliche Weinbergs­schnecke (Helix pomatia Linne) verzehrt, von der wir beifolgend zwei Abbildungen geben; die eine (rechts) zeigt ein Tier aus der Gegend von Oderberg i. M. in der gewöhnlichen Weise rechts gewunden, welches im Winterschlafe liegt und sich, um in diesem nicht gestört zu werden, an der Mündung einen weissen kalkigen Deckel (operculum) gefertigt hat, welcher von dem Tier, sobald die ersten warmen Frühjahrsregen bis in die Verstecke der Schnecken eintreten, wieder abgestossen wird, also nicht an dem Fuss der Schnecke festgewachsen ist, wie dies bei anderen Landschnecken und vielen Wasser-Schnecken der Fall ist. Das andere Exemplar, ebenfalls von Oderberg und bereits im Monatsblatt III, S* 139 erwähnt, ist ausnahmsweise links gewunden und deshalb eine